Pirrho gab das weder zu, noch mochte er's leugnen.„Ich kann mit einem todten Gott nicht ſchön thun,“ ſagte Pirrho,„ich lobe mir einen lebendigen. Wir machen mit ihm überhaupt nicht ſo viel Um— ſtände, nicht ſo viel Weſens, wie Ihr mit Eueren vielen Höflichkeits— bezeugungen, Euerem Knieen und Knixen, Euerem Flennen und Schluch— zen. In Rom, ſagt der lange Pietro, feuern ſie ſogar mit Kanonen drein, wenn ſie beten wollen. Sie meinen, der alte Herr im Himmel ſei taub geworden. Der alte Gott iſt auch nicht ſo böſ' und finſter, daß wir alle Zeit in Sack und Aſche vor ihm hinſtürzen müßten! Was ein ehrlicher Waldenſer iſt, der geht ſchlicht mit ſeinem Herrgott um, nimmt ihn ſozuſagen bei der Hand, ſchüttelt ſie ihm und ſagt: Lieber Herr, ſei gut mit uns, denn du biſt ja doch der einzige brave Kerl im Lande!“
Mormona war vor mich hingetreten, als wollte ſie den Zorn, der in mir aufſtieg, beſchwichtigen. Sie ſah zitternd zu mir auf und hob die Hände wie bittend in die Höhe.
„Ihr kennt den alten Gott ſehr ſchlecht, wenn Ihr ihn wie Eueresgleichen behandelt!“ rief ich mit einem ſtrafenden Ernſt, der mich plötzlich gegen Pirrho überkam.„Ihr wollt keine Götter haben neben ihm, aber in Euerem Uebermuthe ſeid Ihr nicht mehr fähig, die Spuren ſeines Wandels auf Erden zu ſehen. Anders als in Zeichen ſpricht er ja nicht mit uns, Ihn ſelbſt ſchauen wir nicht. Sein Athem durchdringt die Welt, aber ſein Angeſicht bleibt uns Allen verhüllt. Die ganze Natur iſt der Schauplatz ſeines Wirkens, Alles um uns her iſt eine Kunde von ihm; warum ſollen wir ihn nicht in ſeinen Zeugen und Boten begrüßen? Selbſt am kleinſten Sandkorn iſt ſeine Heiligkeit zu ahnen und wir verſtehen ihn in ſeinen Wirkungen. Du aber, der du ihm ſelbſt nahen willſt, thue zuvor den Staub von deinen Füßen, ziehe die Schuhe ab, denn die Stätte iſt heilig. Du würdeſt erbeben und erblaſſen, wenn ſich der Herr in ſeiner ganzen Geſtalt dir zeigen wollte! Unſere Religion gibt uns die Bedingungen an, uns ihm allmälig zu nähern. Du freilich ſiehſt auch in der Art, wie ſich Menſchen zu einander verhalten und aus dieſem Ver— halten ein Gewebe von Recht und Sitte machten, eitel Willkür,
Zufall und Hinterliſt. Du biſt ein fahrloſer, heiteter Schelm, der
Böſes und Gutes noch nicht ſcheiden lernte, wahren Schmerz und


