Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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wie geiſtig, etwas mehr Pflege des Gemüthes: und aus dieſem No⸗ maden wird von ſelbſt ein getreuer Anſiedler, der Sinn hat für Menſchenglück, Sinn für Recht und Sitte. Mitten im Zufall der Dinge dieſer Welt erkennt und fühlt er dann eine leitende Hand Gottes auch im Thun und Sein der Andern. Ich hing meinen Miſſionsgedanken nach, während Pirrho ſchwatzte.

Ein einfaches Mahl vereinigte uns mit Mormona oben auf dem Felſen in der bretternen Hütte. Sie hatte ihr beſtes Geräth auf⸗ geputzt und ſchaltete und ſchaffte mit der ganzen Innigkeit ihres ſtillen Weſens, dem der Grundzug einer klaren, tiefen Heiterkeit eigen war. Nur die Worte fehlten zu den Blicken ihres dunkelblauen Auges, nur die hörbare Muſik zu den ſchönen Wellenlinien ihrer Bewegung, und ein fertiges Kunſtgebilde aus Gottes Hand ſtand vor mir in der Unſchuld der erſten Empfindung und mit dem Zauber jenes Lächelns, das nur verſchwiegen vom Glück des Daſeins weiß. Wie ſie mit ſchüchterner Demuth das Wenige, das ihr Vorrath bot, zu reichen und die Gabe durch die Anmuth des Gebens zu erhöhen wußte, wie ſie mit großer Entſchiedenheit dem unwirſchen Bruder zu begegnen, ihn zu beſchwichtigen und dadurch zu beherrſchen verſtand: in alle dem entwickelte ſie die ſichere Weisheit einer unbewußten Kinderſeele. Es war ſo viel Klugheit in ihrer Unſchuld, und dieſe Klugheit wußte nichts von ſich ſelber. In der Art, wie ſie den Bruder zu nehmen wußte, lag eine feine, liſtige Ueberlegenheit. Sie lenkte ihn, indem ſie ihm ganz zu Willen war; ſie kam ſeinen Wünſchen, ſeinen Ab⸗ ſichten und Zwecken voraus, und hatte ihn unvermerkt in ihrer Hand. Es ſchien faſt, als könne ſie ihn betrügen, indem ſie ihn nur für den Augenblick befriedigte, und ſich ſo für manche Unbilden an ihm rächte. In dem langen Umgang mit Pirrho hatte ſie ihm, nur um mit ihm fertig zu werden, ſeine Schwächen abgelauſcht und triumphirte über ihn wider Willen und Wollen. Auf den bloßen Augenblick war Pirrho's ganze Natur geſtellt. So hartnäckig ſein Trotz, ſo war er doch jedem neuen Eindruck, der ihm ſchmeichelte, unterworfen; man konnte ihn mit ſcheinbar dienlichen Mitteln von ſeinem Ziele ableiten. Mormona hatte in der Herrſchaft über den Bruder eine ſichere Vir⸗ tuoſität erlangt. Ich ſaß und ſann dieſem erſten Geſtalten menſch⸗ licher Zuſtände nach. Ein Miſſionär, dacht' ich, muß klug ſein wie ſie!