Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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„Was vor Gott rein iſt,“ ſagt' ich ſchüchtern,„kann das je ein menſchlich Thun entheiligen?“

Eine helle Freude leuchtete aus ihren Augen. Sie zitterte nicht; ſie war dreiſt und ſicher, wie ſie jetzt vor mir ſtand. Eine heftige Unruhe durchbebte mich, als ſie mir beide Hände zur Verſbhnung hinhielt. In der Verwirrung, die mich überfiel, legte ich die Hand auf ihre Schläfe; eine namenloſe Bangigkeit lief durch meine Seele. Sie ſah mich an mit ihrem unbewußten Lächeln, ſie wußte nicht was in mir vorging. Wußt' ich es ſelbſt?

Pirrho trat lärmend ein. Er war geſchäftig, ſich das Mahl zu bereiten, und mit ihrer Hülfe war er bald damit am Ziel. Er ſchmähte auf mich, daß ich im Winkel blieb und nicht Theil an ſeiner Herrlichkeit nahm.„Das würd' ich hier oben wohl lernen müſſen!“ ſagte er lachend. Er tafelte haſtig, wie geſunde Kerle pflegen. Es war ihm nur neu, daß die Schweſter ihn heute bediente, und ſich ſtill gegen ihn verhielt. Dann ſchob er die Streu für ſich und mich zurecht und lud mich ein, als guter Kamerad wenigſtens das Lager mit ihm zu theilen. Ich bedeutete ihn, ich wolle auf dem Seſſel meine Nachtruhe halten, die Fenſterbrüſtung ſolle meine Lehne ſein.— Während dieſer lärmenden Zurüſtungen war Mormona ver⸗ ſchwunden; ſie hatte die Thür leiſe in's Schloß gedrückt.

Pirrho lag ſtill, ich ſaß betäubt. Ueber unſeren Häuptern ſchlürften leiſe Tritte.„Wer iſt dort oben?“ fragt' ich Pirrho.— „Wer ſonſt als ſie!“ ſtöhnte er ſchlaftrunken und gab im nächſten Augenblicke die tiefen Athemzüge des verſunkenen Schläfers von ſich. Auf dem Heerde erſtarb die Gluth. Ich ſaß und ſann und lauſchte. Oben ſtreifte noch der Saum eines Gewandes den Boden. Dann war Alles ſtill. Dunkel und Traum woben ihre Schleier um meine Seele, ich ſchloß die müden Augen und die Natur forderte ihr Recht.

Am andern Morgen war ich mit dem Früh'ſten wach und ſtieg, die Büchſe in der Hand, mit Pirrho auf die nahen waldigen Höhen. Er ging auf Gemſen, und ich mußte bald ablaſſen, dem gewandten Bergſteiger zu folgen. Er war ein Menſch von anderen Sehnen und glich an Sicherheit und keckem Schritt dem Thiere, dem er von Felſen zu Felſen nachſetzte. Ich begnügte mich, ſeiner Spur von fern zu folgen. Es war ein Grenzgebiet, wo er als Waidmann ſein Hand⸗

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