Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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eine Bildſäule mitten im Gemach. Ich fand nicht gleich das rechte Wort des Grußes und des Wiederſehens. Sie hatte mich mit dem erſten Blick erkannt und die Scene, wo ich ſie auf dem Marktplatze zu La Torre vom Karren gehoben und die Zitternde durch die tobende Volksmenge geführt, trat wieder lebhaft vor meine Seele. Auch in ihr mochten die Bilder des Feſtes ſich erneuern. Sie ward ſo blaß wie ſie damals war, ihr banges Auge irrte wie ſuchend umher und mit den Lippen lächelte ſie wieder wie verklärte Geiſter, die ſich menſch⸗ lichem Thun zuneigen, es ſegnen und es in ſeiner Dürftigkeit doch nicht ganz zu begreifen ſcheinen.

Ja, ja, lachte Pirrho, der hinter uns eintrat,das iſt der Herr aus La Torre, der dich zur Mutter Gottes machte.

Mormona trat erſchrocken zurück und flüchtete ſich in den Hinter⸗ grund der Höhle. Der rohe Burſche ſchien nur dazu da, um mir aus dem Traume zu helfen, in den mich der Anblick des Mädchens in ſüh er in ſeiner mürriſchen Luſtigkeit fort,ſie haben an Heiligen die Hülle und Fülle, und ſuchen doch immer noch, wen ſie fangen können! Haben ſich diesmal durch eine Ketzerin ihr Schloß weihen laſſen. Wohl bekomm's!

Er ſchürte das Feuer, brummte ein Köhlerlied vom Hebebaum und Schüreiſen und ging dann hinaus, für ſein Bedürfniß ſorgend.

Mormona ſtand im Dunkeln und wagte ſich nicht hervor. Ich hatte den Muth nicht, ſie anzureden. Sollt' ich gegen Pirrho meinem Zorne Worte leihen? Es war ihr Bruder, vielleicht das einzige Weſen, mit dem ſie zuſammenhing. In der rußigen Hütte, in dem verworrenen Trödel von armſeligem Hausbedarf erſchien ſie mir wie ein verſchüttetes Kleinod; aber ich wußte nicht, wie weit dieſe rauhe Wirklichkeit zu ihrem Weſen gehörte. Sie ſtand mir zugewendet und regte ſich nicht, aber ich fühlte aus dem Dunkel hervor, daß ihr Blick auf mir ruhte. Die bange Stille löſte ſie endlich ſelbſt.Seid Ihr gekommen, ſagte ſie plötzlich,mich zur Rechenſchaft zu ziehen? Hab' ich Euer Feſt entheiligt?

Sie trat zögernd hervor. Der Schein der Heerdflammen umgab ihr Haupt wie eine Glorie. Es überkam mich wie prieſterliche Weihe, nur wußt' ich nicht, ob ich Segen ſpendete oder empfing.

D. B. V. Kühne, Die Freimaurer. 25