olke, eiber, denſer
der
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Seele für urſprünglich rein und gut. Sie laſſen nicht die Heiligen für ſich reden, ſondern wenden ſich ſelbſt an ihren Gott, wenn es ſie drängt. Sie flehen nicht um die Hülfe der Jungfrau Maria, denn ſie halten das Weib für ſchwach. Sie beten'nicht zum todten Chriſtus, ſondern zum allezeit lebendigen; nicht ſein Leiden und Sterben feiern ſie, wohl aber ſeine Geburt. Sie ſind Kinder und leben ſo hin, wie ſie aus der Hand der Natur hervorgingen, wie die Vögel nach ihrer Art ein Loblied Gottes ſingen, die Lilien ſeine Herrlichkeit preiſen nach innerem, ſchlichtem Naturgeſetz. Ich las ſeitdem die Ketzer⸗ geſchichten und begriff, daß oft eitel harmloſe Einfalt war, was wir ſtolze Herren des römiſchen Chriſtenthums für heidniſch in ihnen hielten.
Ich war die ganze Zeit über mehr als je ſchweigſam und in mich gekehrt. Ich prüfte die Satzungen der Kirche und verfolgte ihre Entwickelung rückwärts hinauf bis zu ihrer Quelle. Ich begriff jenes apoſtoliſche Chriſtenthum, von dem die Welt nur noch wenig zu kennen ſcheint. Ich machte die Entdeckung, daß es kein Werk des Teufels ſein könne, wenn der Menſch bemüht ſei, die Wahrheit aus ſich ſelbſt zu finden. Wie jedem nach ſeiner Art zu Muthe und zu Sinne iſt, danach geſtaltet er ſich doch ungeſucht ſein Chri— ſtenthum; nach ſeinem Bedürfniß baut ſich unbewußt ein jeglich Volk ſeinen Glauben aus. Dieſe Entdeckung machte mich froh und heiter. Ich reinigte meinen Glauben, läuterte mein Wiſſen und wurde erſt jetzt der unverwüſtlichen Herrlichkeit des Chriſtenthums recht inne. Hätte man mich mitten in meinen Forſchungen und Zweifeln ertappt, ich wäre vielleicht als Ketzer verdammt. Aber ich wurde erſt jetzt ſtill für mich meines Gottes voll, ja, wurde von nun an erſt wahrhaft gläubig. Von der Quelle aus verfolgte ich die Strömungen der Völkergeſchichte wieder abwärts bis auf unſere Tage, und fand, daß auch das römiſche Chriſtenthum keine Erfindung der Prieſter ſei. Ich erbaute es mir neu und ſelbſtändig, indem ich mir die ganze Menſchheit zu einer einzigen großen Gemeinde geſtaltete, wo ſich der Einzelne mit und in dem Ganzen getragen fühlt, aber dieſe Nothwendigkeit ſeine Freiheit nicht erdrückt. Gewalt, Zwang, Fanatismus und jene engherzige Furcht, menſchliche Forſchung werde, ſich ſelbſt überlaſſen, die Wahrheit auf Erden zerſtören, blieben frei⸗


