Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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lich von der Kirche, die ich erbaute, von dem Chriſtenthume in meiner Faſſung ausgeſchloſſen. Auch die Ketzer hatten Raum in meinem Gotteshauſe.

Um dieſe Zeit war mein Erzieher, Pater Euſebius, der Rector des Collegiums, ehemals Caplan in Santa Maria, von Genua zum Beſuch bei uns. Euſebio war ein Diener Jeſu, wie ſie alle ſein ſollten. Sehr feſt und ſicher in ſeinen Grundſätzen und doch freundlich und duldſam gegen Andersmeinende. Das Dogma ſtand für ihn fel⸗ ſenfeſt, aber er ließ die menſchlichen Deutungen zu, nicht aus Hang zu den Künſteleien der Sophiſtik, ſondern nach Maßgabe ſeiner un⸗ gewöhnlichen Kenntniß menſchlicher Hülfsbedürftigkeit. Ihm verdanke ich meine Fügſamkeit und meinen Glauben an die Nothwendigkeit und an die Möglichkeit einer allgemeinen Kirche bei aller Forderung der freien Selbſtändigkeit des Einzelnen. Nach Euſebio's Meinung durfte und mufßte ſich die Kirche Gottes auf Erden, unbeſchadet ihres innern Gehaltes, dergeſtalt erweitern, daß alle Völker, trotz ihrem verſchiedenen Bedürfniß, Platz in ihr gewännen, der Mantel Chriſti Alle umfaſſen und am Segen theilhaftig machen. Wer nicht gleich Zutritt haben konnte zum großen Schiff der Kirche, um am Haupt⸗ altar zu beten, dem durfte, das war Euſebio's eigener Ausdruck, doch nicht die Seitencapelle oder das Bild in der Niſche verſagt und vorenthalten werden. In ſolchen Zuſammenhang brachte ſchon früh mein jugendlicher Sinn das Verhältniß zwiſchen der Menſchheit und dem Chriſtenthum. Meine Kirche, wie ich mir ſie dachte, hatte viele Seitenflügel, im Hauſe meines himmliſchen Vaters waren viele Woh⸗ nungen und in einer derſelben, einer ſtattlichen, lichten, nur vom Gewölbe des blauen Himmels überbauten Halle, brachte ich meine Waldenſer unter. Ich erzählte Pater Euſebio nichts von meiner Entdeckung des Mädchens aus den Bergen, deſſen Spur mir jetzt wieder entzogen war; aber ich ſtärkte an der milden Weisheit des Mannes meinen Entſchluß, den Kindern der Wildniß dereinſt ein freundlicher Herr zu ſein. Meines Vaters Thun und Denken ſtand damit im geraden Gegenſatz; und Euſebio's Nachfolger im Amte auf Santa Maria, Pater Uberto, ein Dominicaner, war ganz dazu ge⸗ macht, die dunkelrothe Gluth des Haſſes gegen Alles, was Ketzer hieß, zur vollen Flamme zu ſchüren. Nach Uberto's Anſicht, konnte

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