Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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Himmelskönigin ſei nur ein falſcher Schimmer. Und doch war eine Art Weihe über ſie gekommen, als ſei ihr Thun nicht mehr von dieſer Welt und ihre Lippen lächelten zu der holden Verwirrung ihrer Sinne. Die ſtille Verzückung eines Engels ſaß in ihrem leuchtenden Auge, eines Engels, der die Sprache der Sterblichen nicht verſteht, und doch mit Blick und Miene der dürftigen Creatur gern behülflich zur Seite ſteht. Sie war nicht mehr blöde, aber ſie ſchien wie ab⸗ weſend von dem, was um ſie her vorging, dem eigenen Gebote fol⸗ gend, das nur zufällig hier und da zu der übernommenen Rolle paßte. So ſaß ſie an geweihter Stätte und hörte die Geſänge, die ihr galten; ſo ging ſie an der Hand der beiden Prieſter durch die Hallen des Schloſſes mit gen Himmel gekehrtem Blick, als wolle ſie da oben den beſſeren Zuſammenhang der heiligen Handlung ſuchen. Mit rührender Anmuth, halb gläubig fromm, halb ungläubig lächelnd, beſprengte ſie die Schwellen des Hauſes und ſtreute Blumen unter die Menge, die ſich, berauſcht von ihrer Schönheit, um ſie drängte. Das Volk will vom Heiligen ein ſinnlich Abbild; es betet zur Mutter Maria, weil es die Wahrheit nur in der Geſtalt der Schönheit be⸗ greift. Es will und verlangt Symbole und Surrogate, und ſo bleibt der Geiſt Gottes den Völkern der große Unnahbare, an den ſich Niemand wagt; ſelbſt ſeine Geſandten und Propheten bedürfen noch menſchlicher Vertreter.

Nach dem Schluſſe der Prozeſſion ward Mormona zu den Klo⸗ ſterfrauen zurückgebracht. Die Menge rauſchte auseinander und hatte bald das Kind vergeſſen. Den wilden Pirrho, der ſich ihren Bru⸗ der nannte, hatte Niemand geſehen. Am andern Tage hielt ich Nach⸗ frage bei der Pförtnerin der frommen Schweſtern. Da war große Unruhe und Aufregung. Ganz erſchöpft und nur halb ihrer mächtig war Mormona ihren Hüterinnen überliefert worden. Man hatte ihr Speiſe und Trank angeboten, Alles aber hatte ſie abgewieſen, nach Schlaf verlangt, ihre Feierkleider ſtill zuſammengelegt und Niemand weiter in der Zelle, wo ſie ſchlummern wollte, geduldet. Früh Morgens fand man die Stätte leer; Mormona war verſchwunden. Sie mufßte noch in der Nacht entwichen ſein. In der kleinen Seitenpforte fand man den Schlüſſel ſtecken: ſie mußte ihn der alten Schließerin aus dem Pulte entwendet haben. Somit ging ſie aller Belohnungen, die ſie