—
griff ihm in's Genick und ſchüttelte ihn von mir. Er ſprang wild auf und warf ſich mir entgegen.„Rettet Mormona!“ flüſterte er,
„wir verſtehen nichts vom römiſchen Glauben.“—„Ihr ſeid Wal⸗ denſer!“ rief ich erſchreckt.— Er ſank zitternd zu Boden und kroch
wimmernd unter die Kürbishaufen, die umher aufgeſchichtet lagen. Den ganzen Tag über hatte ich weder den Pfarrer von La Torre, noch unſern Caplan ſprechen können, noch auch das Kloſter beſuchen dürfen, um über Mormona Kunde zu erhalten. Erſt am andern Morgen erhielt ich Einlaß und fragte nicht ohne Furcht, wie ſich das Kind zum heiligen Dienſt anließe.—„Sie iſt ſehr unwiſſend,“ ſagten die frommen Schweſtern.—„Wie die liebe Dorfjugend in den zerſtreuten Gemeinden!“ war meine Erwiederung.— Sie wird ſchon die Hantierung lernen, hieß es, ſich in ihre Aufgabe ſchicken, auch wenn fſie nichts davon begreift!— Ausführlicher hatte ſich die
alte Priorin des Stiftes mit Mormona beſchäftigt. Kurz zuvor ehe
der Zug ſich in Gang ſetzte, ſprach ich die würdige Frau. Seit ge⸗ ſtern hatte das Mädchen gefaſtet, die ganze Nacht über geweint, aus Angſt, der großen Aufgabe nicht zu genügen. Aber am Morgen war ein guter Geiſt über ſie gekommen, ſie hatte Alle, die ſie einge⸗ kleidet, herzlich geküßt und um Vergebung gebeten, wenn ſie es nicht recht machte. Manches habe ſie noch nicht begriffen, ſagte die Alte, aber ihre Lieblichkeit verſöhne Jedermann, ſie ſei ein gutes gottgeliebtes Kind, wenn auch wild aufgewachſen. Das Geheimniß war alſo noch bewahrt.
Ich mochte mich nicht zu den Geiſtlichen halten, um nicht Mor⸗ mona's Blicke auf mich zu ziehen, aber im bunten Gewühl der Menge ſuchte ich nur ſie, hatte nur Augen für das holde Kind, das ſo rein und lauter ſchien, wie der Quell in den Bergen, und alſo wohl würdig war, den Menſchen ein Symbol der von Gott begnadigten Unſchuld vorzuſtellen. Auf dem hohen Tragſeſſel, in dem blauen, ſternbeſäeten Kleide, unter dem Thronhimmel, den man über ihr hielt, erſchien ſie wirklich wie ein höheres Weſen, das herniedergeſtiegen, um das Werk der Menſchen zu heiligen. Sie war ſehr blaß, ſie drohte zu verwelken, wie die Alpenroſe in den Händen der Menſchen, die ſie in's Thal herunterbrachten. In ihren Augen war das bange Geſtändniß zu leſen, man habe ſich in ihr geirrt, ihr Schmuck als


