Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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zutraulich an und kreuzte die Arme. Sie war kein Kind mehr und ſchien doch ſo hülfsbedürftig und ſchüchtern. Ich verſtand es nicht, wie ſie ſich tief beugte, den Kopf ſchüttelte und alle Zeichen der Wei⸗ gerung machte.Mormona weiß das nicht zu machen! ſagte ſie mit flehender Gebährde. Man hielt das für Blödigkeit, und ich ſprach ihr Muth ein. Als der Caplan auf ſie zuſchritt, faßte ſie mich raſch am Arme und drängte haſtig zu der Mädchenſchaar. Sie war todten⸗ bleich, wie ſie jetzt mit dem Zuge fortſchritt. Ihr Begleiter lag tobend und ſchreiend am Boden, und der Eſel am Karren, ungebährdig wie ſein Führer, war das Geſpött der Buben, während der Zug nach der Capelle aufbrach.

Mich beſchäftigte noch der Burſche. Es war ein ſtämmiger, breitſchulteriger Menſch mit dickem Kopf und ſchrägen blinzelnden Au⸗ gen, an jene Cretins erinnernd, wie ſie in den Bergen nicht ſelten ſind. Er war aufgeſprungen, als ich wieder zu ihm trat, ſammelte die zerſtreuten Früchte, hing das Geflügel zurecht, ſchlug ſich vor die Stirn und ließ dann am Eſel ſeinen Zorn aus. Wie ich ihm ſein Weſen verwies, ſetzte er ſich ruhig nieder, ſtützte ſeinen Kopf in die Hände und ſah mich furchtſam von der Seite an. Auf meine Frage, wo er her ſei, beſchrieb er mir eine Gegend in den Bergen, die ich nicht kannte.Wer iſt Mormona?Meine Schweſter, ſagte er.Wem gehört Ihr an?Niemanden; wir müſſen daheim verhungern, wenn wir die Vögel und die Gurken nicht abſetzen. Ich gab ihm Geld, das er gleichgültig nahm.Zieht Ihr immer hieher zu Markte?Mormona zum erſten Mal, ſagte er,und gleich haben ſie ſie erwiſcht!Jede Andere, ſagte ich, ſchätzt ſich glücklich, wenn ſie beim Feſte mit aufzieht.Herr! ſagte er ebenſo gutmüthig wie liſtig,wir find zu dumm dazu!

Von der Capelle aus wälzte ſich jetzt die Menge wieder zurück. Die prieſterliche Wahl hatte der Stimmung des Volkes entſprochen, Mormona war zur Heldin des Feſtes erkoren und lauter Jubel hieß ſie jetzt willkommen, als ſie an der Hand des Caplans erſchien, um in das Kloſter der frommen Schweſtern geführt und für den näch⸗ ſten Tag vorbereitet zu werden. In die Geſänge der Chorknaben miſchte ſich das Gebrüll des tollen Burſchen, der laut heulend ſich plötzlich mir zu Füßen warf und meine Kniee umklammerte. Ich