Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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Weiber hatten die Buden verlaſſen und waren dem Ruf des Herrn gefolgt. Das Geſchrei der Melonenverkäufer, die unerſchöpfliche Kehl⸗ kraft der Zwiebelhändler verſtummte. Der Geiſtliche hielt jetzt Muſte⸗ rung; ſein Auge ſchweifte hinauf und hinunter, und wo ſein Blick weilte, lief eine bange Bewegung durch die Reihen; jede hielt ſich für berufen und zitterte doch, die Auserwählte zu ſein. Da fiel der Blick des Prieſters noch auf ein junges Weſen, das theilnahmlos ſchien und ſich nicht anſchließen wollte, wo doch jede berechtigt war. Sie ſaß auf ihrem Karren, ſchnitt Melonen auf und bot, gleichgültig um die feſtliche Handlung, die ſaftigen Stücke feil. Auf den Stangen des Fuhrwerks hing Wildgeflügel paarweiſe in ſchmucker Ordnung. Das Mädchen, in der Tracht des Landvolks aus den Bergen, war unſcheinbar, arm und einfach. Ein derber Burſche mit ſtruppigem Haar und wilder Häßlichkeit machte ſich um ſie zu thun und warf dem Eſel Diſteln vor. Wie der Caplan auf das Mädchen hinwies, ward ſie ſogleich der Zielpunkt aller Blicke. Er winkte; ſie ſah ihn an und verſtand ihn nicht. Er wollte ihrer Schüchternheit zu Hülfe kommen und rief, ſie ſolle ſich anſchließen. Da ward ſie feuerroth und bedeckte ihr Geſicht mit beiden Händen. Wie ſie aufblickte, ſah ſie in ihrer Verworrenheit ſo lieblich aus wie am Schöpfungstage die erſte Blumenknospe, die ſich dem hellen Lichte öffnet und im Spiegel⸗ bache vor ſich ſelbſt erſchrickt. Das Mädchen ward vielleicht zum erſten Male ihres Daſeins inne und fühlte die Blicke, die auf ihr ruhten. Sie blickte bang umher, ſie wollte ſich ungeſehen machen und wußte ſich keinen Rath. Endlich rief ſie ſchnell dem Buben ein Wort zu. Er ſtachelte ſein Thier, daß es laut aufſchrie und doch nicht gleich anzog. Sie wollten zur Seite biegen, aber die Menge umdrängte ſchon den Wagen und riß dem Jungen den Knittel aus der Hand. Sie ſchrie laut auf, wie man die Früchte vom Karren riß und Hand an ſie legte. Je mehr der Junge tobte und mit Fäuſten auf den Eſel ſchlug, deſto mehr ward das Mädchen der Gegenſtand des Ver⸗ langens. Der Tumult wuchs, das Volk ſchien wie von einer Raſerei ergriffen, ſie zur Heiligen des Feſtes erklären zu laſſen. Wie man ihr

Gewalt anthun wollte, ſprang ich hinzu, ergriff ſie am Arme und

hob ſie vom Wagen. Sie zitterte heftig; doch als ſie bemerkte, daß mein Erſcheinen die feindliche Berührung verhinderte, ſah ſie mich

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