Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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Der Alte ſank ſtill und ſtumm in ſich zuſammen, verhüllte ſein Haupt und brütete für ſich hin. Er ließ nach wie vor eifrig Meſſen leſen für ſein und der Geſtorbenen Heil, betete und that gute Werke, wenn es ihn wie die Unruhe eines gequälten Geiſtes überfiel. Wir berührten dieſen Punkt nie wieder; denn wir hatten uns wie wild⸗ fremde Menſchen einander gegenüber geſtellt. Er war ſeitdem bald in finſterer Starrheit gefangen, bald zerdrückt und zerfloſſen; ſeine ganze Natur war aus ihren Fugen gerückt, aber er zeigte ſich mir nie wieder in einer Stunde, wo er, wie er ſagte, ſchwach war. Seine Ueberzeugungen blieben dieſelben, oder vielmehr ſie wurden ſtrenger und härter; er glaubte, es ſei noch nicht genug geſchehen, um das Unglück des Hauſes zu ſühnen; das Unheil ſei im Wachſen und ſei erblich auf mich übergegangen.

Ich ließ von ihm ab. Auch war meine Aufregung bald ge⸗ ſchwunden; jener Gleichtact, zu dem ich im Kloſter erzogen war, ſtellte ſich in mir wieder her. Daß ein Mann ein Weib heilig liebte, und weil er entdeckt, ſie glaube nicht wie er an Gott, ſie verſtößt und verdammt, das hätte mich faſt für Beides, für die Liebe und für den Glauben, abtödten können. Es kümmerte mich damals noch zu wenig, wo der Wurm ſitzen mochte, der heimlich das Leben der Men⸗ ſchen zernagt. Seit jener Seene fühlte ich mich ſelbſtändig, hielt ich meine Erziehung für vollendet. Dem Unwillen gegen meinen Vater gab ich nicht weiter Sprache, aber ein wehmüthiger Groll gegen menſchliche Thorheit und Grauſamkeit ſetzte ſich ſehr feſt in meiner Seele. Faſt wünſchte ich mir mein eintöniges Leben im Collegium zurück; die Thorheit im Gewande der Weisheit ſchien mir noch die erträglichſte Maske unter Menſchen. Nachts trieb es mich vom Lager fort; das alte Bedürfniß zum Wandern regte ſich wieder. Ich wurde weniger als ſonſt beobachtet und die Diener im Schloſſe waren mir ſtillſchweigend zu Willen. Ich vermißte daheim das Meer, das Bild der Unendlichkeit in der dämmernden Stille der Nacht. Ich ſchlich in den alten verlaſſenen Sälen von Santa Maria umher; ich hätte mich gern an etwas Geheimnißvolles hingegeben. Der Geiſt der Ahnfrau wollte mir nicht erſcheinen; ich hätte ſie gern gefragt, weshalb ſie noch nicht ruhen wolle und noch immer den Sinn der Nachgeborenen

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