Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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ſeiner Seele zu bekämpfen, lag ſie auf dem einſamen Todtenbette. In einem Augenblicke der Angſt verlangte ſie nach dem kirchlichen Troſt. Bevor man ihr das Mahl des Herrn reichte, ſollte ſie beken⸗ nen, daß ein böſer Geiſt in ihr wohne. Da machte ſie ſich ſtark, fand ſich mit ihrem Gott allein zurecht, wandte ſich ſtolz und zornig ab und ſtarb ſtill und entſchloſſen, ohne Klage, ohne Furcht, aber auch ohne Verlangen nach dem Benedeiten. Das war das Ende meiner Mutter, der Schluß der Romanze von der treuen Liebe.

Mein Vater hatte ſeine Erzählung beendet. Die Erinnerung hatte ihn überwältigt; matt und erſchöpft ſaß er vor mir im Seſſel. Ich ſprang auf und ſchüttelte mein Haupt.Die Sünde, Vater, vergibt Euch Gott nicht! rief ich. Ich ſtand mit glühendem An⸗ geſicht vor dem Alten. Mein Wort fiel wie Feuer vom Himmel; der Schmerz machte mich mündig. Der Alte ſchreckte auf. Er erhob ſich langſam aus dem Seſſel und ſtarrte mich mit dem Blicke des unſicheren Entſetzens an. Er wollte reden, aber die Lippen zitterten wortlos. Er griff mit der Hand über die Stirn; er wußte nicht, mit wem er ſprach; das war der Zögling des Kloſters nicht, der ſo redete. Der Anblick ſeiner rathloſen Unſicherheit milderte meinen Groll; zwei große ſchwere Perlen rollten über ſein Angeſicht.Vater, ſagte ich,Ihr habt meine Mutter allzu raſch verdammt!

Ich habe dafür gebüßt, ſagte er dumpf und ſtill,und die Kirche hat mir vergeben.

Die Kirche, ja, aber Gott nicht!

Wie? ſchrie er auf,gibt es denn auch einen Gott noch außer⸗ halb der Kirche?

Die finſtere Gluth ſeines Zornes entlud ſich in ſeinen Blicken. Ich lernte an dieſen Blicken den Dämon kennen, der das Glück meines Hauſes unterwühlte. Aber dieſer Dämon ſchreckte mich nicht mehr. Vater, ſagt' ich feſt und ſicher,es gibt einen Gott in uns, deſſen leiſe Rede kein Spruch der Kirche, keine Fürbitte der Heiligen über⸗ tönt, eine innere Stimme, die uns gegen die Satzungen der Gewohn⸗ heit zu thun gebietet. Meine Mutter iſt dem Herkommen des Glau⸗ bens geopfert, und ein Menſchenleben iſt doch wohl heiliger als ein

Wort. Ein Menſchenleben iſt eine That Gottes! D. B. V. Kühne, Die Freimaurer. 24