Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gattin, als Mutter verbrochen.Sie war keine Chriſtin! ſagte der Alte ſcheu und ſtill.

Ich ſah ihn zornig an. Ein halbes Jahr nach meiner Geburt, in einer ſüßen Stunde der Umarmung, erzählte er mir, da hatte ſie ihm voll Uebermuth in's Ohr geflüſtert, nur ſeinetwillen mache ſie Alles ſo mit, wie es der Pater vorgeſchrieben, den ſie im Grund ihrer Seele haſſe. Wie könne ein Mann, der nie gewußt, wie Men⸗ ſchen menſchlich fühlen, ihr anbefehlen, wie ihr zu Muthe ſein ſolle! All' die Martergeſchichten ſeien ihr ein Gräuel, ſie könne mit ver⸗ moderten Gebeinen nicht ſchön thun, ja ſie ſchäme ſich der Heiligen, weil ſie zuließen, daß man ihnen ſo viel Thörichtes nachſage.Ich ſchreckte auf aus ihren Armen, rief mein Vater mit Entſetzen.Ich ſtarrte ſie an; ſie war mir unter den Händen wie verwandelt. Ein Schauder trieb mich vom Lager, es überkam mich die Erinnerung an den alten Fluch, daßer Geiſt der Waldenſerin unter uns umgehe und nicht ſterben könne!

Er hielt den Leichtſinn einer unbewachten Heiterkeit für den Dämon des Hauſes. Er hatte ſein Weib nie wieder berührt. Er eilte nach Rom und beichtete. Die Kirche ſtellte auf ſein Verlangen ihre Abgeordneten, um den böſen Geiſt auszutreiben. Mein Vater ſchwankte, ſein beſſerer Genius erwachte noch ein Mal. In der Angſt um ihr Seelenheil hatte ſich nur die irregeleitete Liebe verrathen, die zu falſchen Mitteln griff. Wie man ſie förmlich als Ketzerin behan⸗ deln wollte, empörte ſich ſein Stolz und er trieb die Abgeordneten der Inquiſition mit Gewalt aus den Hallen ſeines Schloſſes. Aber er ſelbſt blieb gegen meine Mutter der ſtrafende Dominicaner, der die Verurtheilte nicht ein Mal mehr hörte. Sie hatte keine Gewalt mehr über ihn, er blieb taub gegen ihre Reue, ihre Thränen, ihre Ver⸗ zweiflung. Daß ſie ihn ſehr heilig liebte, hat ſie ihm wohl zur Ge⸗ nüge bewieſen, weil ſie nicht lange ohne ſeine Huld leben konnte. Das Glück hatte ſie ſicher gemacht und das alte Ketzerthum ihres Stammes in ihr aufgerüttelt. Nachdem ſie ſeine Gunſt verſcherzt, war ſie wieder demüthig wie eine Magd, hielt ſich ſtill, faſtete und verzehrte ſich in Reue und Buße, wenn auch ohne förmliche Sühne mit der Kirche. Während er in der Welt herumirrte, auf Seezügen und Kriegsfahrten, um die Zweifel, die Unruhe und die Finſterniß