Teil eines Werkes 
3 (1855) [Graf Guiseppe della Torre]
Entstehung
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riſche Gleichgültigkeit verfiel, die das Gebotene mechaniſch übt, aber im Stillen auf die Stunde der Erlbſung harrt. Ich war bei alle⸗ dem bald der Liebling der ganzen Dienerſchaft, weil ich eben ſo leut⸗ ſelig war wie mein Vater herriſch. Sie erzählten mir von den wilden Verfolgungsſcenen im Gebirge, von der Ahnmutter und ihrem Fluch, von den letzten Schickſalen des Hauſes. Ich erfuhr, daß nicht eigent⸗ lich das Volk, vielmehr nur ſeine Führer und Vormünder grauſame Gelüſte und Aberglauben weiterſchleppen. Die Härte, die man auf Befehl meines Vaters gegen meine Mutter verübt, ſuchte man am Sohne reichlich zu vergüten. Nur die Schönheit der Mutter, ſagten die Leute, ſei das Unglück des alten Herrn geweſen. In den Wei⸗ bern aus den Bergen gehe für die Grafen La Torre der Teufel umher und ſuche, wen er verſchlinge. Man ſagte mir das, weil man mich, wo nicht für einen geiſtlichen Herrn, doch für einen gelehrten und tüchtigen Chriſten hielt, und man hielt mich⸗ dafür, weil ich fromm ſchien und den äußeren Kirchendienſt mit einer Pünktlichkeit übte, die den Leuten wie Eifer erſchien. Meine klöſterlichen Gewohnheiten erweckten dem Vater zuweilen ſogar Beſorgniſſe; er fing an, mich weniger ſtreng zu halten; es gab Augenblicke, wo er mich mit einer ſchwärmeriſchen Zärtlichkeit überhäufte. Vielleicht mochte ihn die Furcht überkommen, mit mir könne das Geſchlecht der La Torre erlöſchen. Hatte mich ſeine frühere Gleichgültigkeit unfähig gemacht, einem Ge⸗ fühle für ihn Raum zu geben, ſo mußt' ich jetzt fürchten, ſeine plötzliche Weichheit ſei nur augenblickliche Reue, eine Laune ſo gut wie die frühere Kälte, die mich Fremdlingen und der Zucht des Kloſters überließ. Für ſeine Liebe, die ſich mir jetzt als Schwäche zeigte, hatte ich keine Entgegnung; aber ſie gab mir eine Macht über ihn, die ich benutzte. In einer Stunde ſolcher weichen Hingebung fragte ich ihn dreiſt, warum er meine Mutter wie eine Gefangene gehalten. Mit dieſem Worte ſprengte ich die Pforte, die das Un glück des alten finſteren Mannes verſchloſſen hielt. Von einem Zög ling der Kirche hatte er die Frage nicht erwartet; aber ich ſtellte ſie ihm als Sohn, als Menſch. Er ſchien verwirrt und betäubt; er ſchwur, meine Mutter bis an ihr Ende geliebt zu haben, ihr treu ſein zu wollen bis über's Grab hinaus; die Heiligen, hoffte er, würden ſie dereinſt ihm wieder zuführen. Ich fragte, was ſie als