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meinen eigenen kleinen Gottesdienſt. Dieſer Hang zur Willkür trat mit dem Reiz am Geheimnißvollen bald in einen Bund, ſo daß ich noch jetzt kaum meinen Trotz und meinen Drang zum Unerforſchlichen zu trennen weiß. Was ich ſonſt trieb und that, blieb mir gleich⸗ gültig, hatte es nicht einen Zuſammenhang mit dieſen meinen Ge⸗ lüſten. Ich1 lernte mechaniſch, ich that den frommen Dienſt ohne Aufregung der Seele, bis ich plötzlich begriff, es handle ſich in Re⸗ ligion und um das große Geheimniß, Gott und Natur zu finden und zu deuten. Wenn ich in den Hörſälen des Collegiums vom Tode, vom Lande Jenſeits reden hörte, ſchweiften meine kin⸗ diſchen Empfindungen lange Zeit ab auf's weite, ungewiß wogende Meer. Es war auch ſpäter derſelbe Reiz am Unerforſchlichen, am Verborgenen, der mich bei den Dogmen von den Wundern des ge⸗ heiligten Lebens ergriff. Aber jenen nächtlichen Wanderungen am Ufer, meinen verbotenen Ausflügen auf's Meer hatt' ich es zu ver⸗ danken, daß ich geſund blieb an Leib und Seele; mein junger Sinn ſchaffte ſich damit eine Befriedigung, bis er ſich reif fühlte zu den großen Entdeckungsfahrten, auf denen es gilt, ſich in den Wundern der geiſtigen Welt zurechtzufinden, das Ungeheuere, das Unermeßliche für die Menſchenſeele zugänglich zu machen.
So war ich herangewachſen ohne eigentliche Beziehungen zu Menſchen, im Wechſel zwiſchen Kirchendienſt und dem geheimen Gelüſt zur Willkür, dem ich den Tribut entrichtete.— Mein Vater war von ſeinen Reiſen zurückgekehrt. Ich hatte mein ſechszehntes Jahr ange⸗ treten, als ich vor ihn beſchieden ward. Mein ruhiges, ſcheinbar ſtilles Weſen hielt er für eine gute Frucht meiner Erziehung; er meinte, es ſei nun genug geſchehen, um mich gegen die Gefahren der Ketzerei ſicher zu machen. Zum wirklichen Mönch war der letzte La Torre denn doch nicht beſtimmt. Ich blieb nun auf Santa Maria, lernte die ritterlichen Dienſte, ging mit auf die Jagd. Das Alles that ich ſo handwerksmäßig, wie ich im Collegium Latein ge⸗ lernt. Degen und Büchſe konnten mir erſt Reiz gewähren, wenn ich ſie willkürlich führte, nach freiem Drang ſie benutzte. Meiner Um⸗ gebung ſchien ich ein Menſch ohne Eitelkeit, ohne Ehrgeiz, ohne Aufregung der Sinne. Man hatte das in mir niedergehalten; kein Wunder, wenn mein Gemüth verſchüchtert war und in jene träume⸗
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