Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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er war ſtill und tieffinnig geworden. Nach ſeiner Gewohnheit trom⸗ melte er eine Zeitlang mit den Fingern auf dem Tiſche; dann athmete er hoch auf und ſagte:Alſo da will's hinaus! So ſo! Habe lange keine Loge mehr beſucht, ſeitdem allerlei Schächer ſich ein⸗ drängen; habe die ewige Speculation auf die Bruderliebe ſatt, möchte aber doch einmal wieder zwiſchenfahren, um die Wölfe im Schafspelz zu entlarven. Ja, ja, wenn erſt die Hellſeherei her⸗ einbricht, dann beginnt gewiß wieder eine Epoche der dunkeln Gefühle! Auf der einen Seite nehmen ſie die Freidenker unſerer Zeit in Dienſt, auf der anderen ſchrecken ſie die Menge mit dem Geſpenſt des Atheis⸗ mus. Ich kenne die ſüßliche Zudringlichkeit dieſer Herren von der Geſellſchaft Jeſu! Sie ſind ſehr tolerant geworden. Das fließt eben⸗ falls von Bruderliebe über, will alle Religionen vereinigen, umgibt die Duldung mit einer Glorie, und ehe man ſich's verſieht, trägt der Proſelyt ein Marienbildchen auf der nackten Bruſt, mit der Sonne darüber und mit dem Fuß auf dem Halbmond, wie es die frommen Väter auf den Säulen der unbefleckten Enpfängniß in ihren Büchern haben. Ging's doch ſo dem ſeligen Diakonus von Erlangen! Er hatte von einer geheimen Geſellſchaft die ſieben Weihen einer neuen Prieſterwürde empfangen, glaubte wohl daran zu thun, wenn er ſich den Geheimniſſen Gottes näherte, ſich zum Prieſter der neuen Aller⸗ weltsreligion ordiniren ließ. Blieb er doch ſonſt ein ganz guter Seel⸗ ſorger ſeiner proteſtantiſchen Gemeinde; nur daß er mehr als früher Duldung und Eintracht predigte, auf daß Ein Hirt und Eine Heerde ſei! Als ihn plötzlich der Schlag rührt, findet der Arzt das Marien⸗ bild auf ſeiner Bruſt. Aus ſeiner Correſpondenz ergab ſich, daß er, ohne es zu wiſſen, römiſch geworden war. Man hatte ihm vor⸗ geſpiegelt, es gebe noch von den Zeiten der Kirchenväter her eine abſolut reine Chriſtengemeinde, die alle getrennten und verlorenen Seelen wieder in ſich aufnehmen werde. Sie allein ſei im Beſitz des magiſchen Feuers, wie ſie den Ausfluß der Kraft Gottes am Pfingſt⸗ tage nannten. Ja, man kann jetzt ſehr bequem übertreten! Man erhält Dispenſationen die uns ganz in unſerer Welt belaſſen. Man gibt dem Opfer den Troſt der Verheimlichung, behält ſich blos vor, erſt nach ſeinem Tode mit dem Zeugniß der Rückkehr in den alten Mutterſchooß zu prunken. Vor einigen Jahren erzählte man in Breslau