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Dubois ſchien nach jeder Seite hin ſattelfeſt; er ſagte: 6 halte dafür, es abzuwarten, und ſich vor der Hand für dieſe Stufe des Daſeins zu erziehen.“
„Bravo!“ rief der Reichsgraf,„nur keine Spiegelfechtereien! Hier auf dieſem Erdenboden ſteht der Mann und ſoll zeigen was an ihm iſt. Sich um das kümmern, was hinter dem Vorhange, iſt vorwitzig oder dumm. Wenn er hoch geht, wird ſich's ſchon zeigen!“
„Dieſe Unſterblichkeitsſucherei,“ ſagte Dubois,„iſt überhaupt mehr Sache der Schwächlichen, der Müßigen und Reichen. Ein armer Teufel iſt froh, wenn er weiß, wo hierorts ein Loch für ihn offen iſt; oft weiß er für den Augenblick nicht, wo ein und aus.“
Es lag in dieſen Worten eine gewiſſe rührende Bitterkeit. Sie griff dem Alten geradezu an's Herz. Er ſtreckte die Hand aus und ſagte:„Junger Freund, Sie ſind mein Mann! Sie gehen mit mir nach Belle Promeſſe, bleiben bei uns, ſo wie ſo, wird ſich finden; abgemacht!“
Wir hatten gewonnen Spiel; Kaver war der Unſerige. Ich hörte wie der Großvater ſich gemüthlich im Seſſel zurechtrückte, um noch eins zu klugſchwatzen. Es ging jetzt über den geſtrigen Abend und den Herrn Grafen von San Germano her.
Der Reichsgraf fragte, wie es möglich ſei, daß zwei ſo ver⸗ ſchiedene Naturen wie der Prophet von Zürich und der renommiſtiſche Charlatan zuſammenſpannen könnten.
Kaver erklärte ſehr gut ihre ungeſuchten Berührungspunkte. „Lavater,“ ſagte er,„will zum alten Glauben zurück, der Berge verſetzt. Er hofft allen Ernſtes auf ein Geſchlecht, das durch die Allmacht des Gebetes die Gabe, Wunder zu thun, wiedergewinnen werde. Für dieſe Sehnſucht nach Verjüngung des Lebens durch den Geiſt hat der Charlatan ſeinen Lebensthee, ſein Elixir. Wem der Geiſt nicht gehorſamt, der muß ſeine Zuflucht zu Geſpenſtern nehmen, den Leichnam zu verjüngen ſuchen.“
„Die Signora,“ meinte der Großvater,„das werthe Morgen⸗ landsgeſicht, ſcheint mir auch ſo ein aufgefriſchtes altes Jeruſalem zu ſein.“
Dubois ſchwieg mit geſenkten Augen; ſeine Zunge ſchien hier gefeſſelt zu ſein.
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