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„Im Gegentheil,“ eiferte Dubois,„man wird bald dagegen arbeiten müſſen; denn wie lange wird es dauern, ſo wird es auch Jeſuiten geben, die in der Sprache Lavater's zu reden wiſſen!“
Das war Waſſer auf des Großvaters Mühle; das änderte ſeine Poſition zu dem jungen Manne. Er ſtand auf, ſah ſich um, ſetzte ſich wieder und rief in's Zimmer herein:„Sommerlotte! Pfeife geſtopft! Feuer her! Und die Flaſche mit zwei Römern!“
Das war das entſchiedene Signal zur Gemüthlichkeit. Der Dampf des Tabaks quoll aus dem Cabinet herein, ich hörte das Klirren des Glaſes. „Junger Mann,“ begann der Großvater von neuem,„Sie ſcheinen trotz Ihrer Jugend Erfahrungen gemacht, ſich Einblicke ver⸗ ſchafft zu haben; es wäre mir lieb, würden wir näher mit einander bekannt. Pfarrer Lavater ſagte mir, Sie ſeien mehr als billig Pro⸗ teſtant, proteſtirten allzuſtark. Die Gräfin Branconi zählt Sie zu den Frei⸗ und Starkgeiſtern.“
„Fsprit fort!“ wiederholte Dubois,„mon Dieu, ich bin gar nicht frei von Schwächen.“
„Sie meinte damit einen Atheiſten,“ erklärte der Reichsgraf, „— an einen Gott glauben Sie doch wohl?“
Kaver erwiederte freimüthig und offen:„Ich möchte die Gegen⸗ frage ſtellen: Wer bildet ſich ein, an ihn nicht zu glauben? Wenn es keinen Gott gäbe, ſo würden wir gezwungen ſein, ein Weſen zu decretiren, das zum Unterſchied von allen anderen in ſich ſelbſt fußte, aus ſich entſtanden und in ſich ſelbſt beharrend. Kein Gott:— und die Welt iſt ein Nonſens; es behaupten: iſt nur Sache des Prah⸗ lers.“
„Sehr gut das!“ ſagte der Großvater mit der ihm eigenen Kopfbewegung, die da ſagen ſollte: der frißt ſich heraus, und das iſt mir lieb!— Hätte Dubois den Gottesläugner gemacht, der Reichs⸗ graf würde ihn ſofort beim Kragen ergriffen und zum Tempel hinaus⸗ geſetzt haben.—„Ganz gut das!“ wiederholte Erlaucht,„und wie ſteht's denn da mit dem Glauben an Unſterblichkeit, was?“


