Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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der deutſchen Schweiz hielt er ſich ſeit längerer Zeit auf, um unſerer Sprache mächtig zu werden.

Die erſte Gefahr war überſtanden, er bekannte ſich nicht als römiſchgläubig von Geburt, nicht als Zögling und Flüchtling eines Kloſters, wie ihn die Signora bezeichnete. Ich athmete auf; nur wußte ich freilich nicht mehr, wie weit Kaver der vollen Wahrheit die Ehre gab. Ich ſah ihn gerettet, mir erhalten; aber ein leiſer Argwohn ſchlich ſich bei mir ein, ein Gefühl, das ich ſelbſt verſchuldete, da meine Warnung gewirkt zu haben ſchien.

Nun, und hier in Zürich haben wir fleißig die Phyſiognomik getrieben, nicht? fuhr der Großvater fort;was denken wir denn von dieſer fanatiſirenden Wiſſenſchaft?

Ich theile nicht ihre frommen Conſequenzen, ſagte Dubois be⸗ ſcheiden, aber feſt und beſtimmt.

Gut das, aber ihren Kern? examinirte der Geſtrenge.

Der Lavater'ſche Stirnmeſſer und Zahlenpſychometer iſt ein pe⸗ dantiſches Rechnenexempel. Im Gebilde des Geſichts, deucht mir, ſind die Anomalien gar zu häufig, ohne daß ſie die Regel ſtören, und doch ſoll das Geſicht die Signatur

Mir wird eigentlich ſchon übel, hör' ich das myſtiſche Wort Signatur! unterbrach ihn der Großvater.Dieſe frommen Seelen finden in jedem Geſichtsnapf ein Fettauge, wollen jeden Bettel ſacri⸗ ficiren. Hätten dieſe Leute recht, ſo könnte man freilich jedem neu⸗ geborenen Menſchen an ſeiner Wiege gleich das jüngſte Gericht halten, müßte jedes Kind hängen, deſſen Naſenſtülpchen nicht gleich gottſelig auf die Welt kömmt!

Der Menſch, ſagte Dubois,bringt doch wohl nur Möglich keiten mit zur Welt; was er wird, iſt ſein Werk, und was er ge⸗ worden, ſein Verdienſt.

Sehr richtig! rief der Großvater und umſpannte mit ſeinen großen gothiſchen Augen immer mehr den jungen Mann; in der Auf⸗ merkſamkeit ſeiner Blicke lag faſt ſchon Achtung. Es ging vortrefflich; ich jubelte im Stillen.

Und dabei ſchreien dieſe Leute nach dem Genie, wie nach einem neuen Erlöſer! fuhr der Reichsgraf fort.