Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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Aber Er hat noch Nichts davon bemerkt, Sommerlotte? fragte der Reichsgraf weiter.

Der Gefragte verſicherte, weder je etwas von der Art an mir geſehen, noch gehört zu haben.

Gut, gut, mir lieb, ſagte der Großvater,aber hör' Er, Sommerlotte, ich glaube, Er wird nachgerade alt, ſtumpf und dumm!

Bitte, bitte, war nie das Gegentheil! betheuerte der Zerſtreute, der zum Glück in ſelbem Augenblicke von einem Diener abgerufen wurde, aber ſofort wieder erſchien, um den italieniſchen Monſieur Dubois zu melden.

Ah! mir ganz recht, kann gleich hier eintreten, befahl der Reichsgraf. Mir ſtockte der Athem, das Herz ſchlug mir ungeſtüm. Hatte er meine Zeilen erhalten? Hatte die Warnung gefruchtet? Ich richtete voll ſcheuer Angſt meine Blicke auf den Eintretenden. Er war ruhig und gemeſſen, ganz harmlos und Herr ſeiner ſelber. Nur ſchien mir das tiefe Colorit ſeines ſüdlichen Geſichts heute dunkler, wie ſonſt. Sein Auge leuchtete aus dem Schatten der Wimpern ruhig und feſt. Mir lieb, daß Sie ſo früh auf den Beinen ſind! ſagte der Großvater, ihn willkommen heißend. Kaver bat um Entſchuldigung; es ſei nicht ſeine Abſicht geweſen, ſofort um Audienz zu bitten, er habe nur melden wollen, daß er zu Befehl ſtehe.Nehmen Sie Platz, ſagte der Groß⸗ vater,und theilen Sie mit uns die Reſte unſeres Frühſtücks. Wir pflegen auf der Reiſe ganz ungenirt zu ſein.

Kaver ſetzte ſich, dankte jedoch für Alles. Wir Andern hatten uns erhoben und zurücktreten wollen; ein Wink des Geſtrengen hieß uns jedoch bleiben und das Frühmahl beenden.Sind mir von der Gräfin Branconi und Herrn Lavater ſehr wohl empfohlen, fuhr er zu Dubois gewendet fort,haben ſich ſchon hübſch in der Welt umgeſehen, ſind in Paris, in Südfrankreich, längere Zeit in Genf geweſen, auch in Rom? Ich horchte ängſtlich auf; in dieſer Frage konnte die erſte Fuß⸗ angel liegen, in der ſich Dubois verſtrickte. Er entgegnete, außer Genua und Savoyen noch nichts weiter von Italien zu kennen. Genf gab er als den Ort an, wo er ſeine Studien gemacht, als ſeine Hei⸗ math die Grenze von Savoyen, ſich ſelbſt nannte er ein armes Stief⸗ kind des Schickſals. Als vater- und mutterloſe Waiſe ſei er unter fremden Menſchen erwachſen und in's Genfer Seminar gebracht. In

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