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Einige Schnörkel am Rande des Papiers und ein Paar will⸗ kürlich erdachte Chiffren, als Unterſchrift, erhöhten den Anſtrich des Geheimnißvollen. Das Schreiben war mit meinem Siegelring ge⸗ ſchloſſen; es bedurfte nur noch des Boten, um an ſeine Adreſſe zu gehen. Leiſe trat ich in das Vorgemach, wo Sommerlotte ſchlief. Dieſer, mein Wächter, lag, in der That gegen ſeine Gewohnheit, ſchnarchend da. Der ſonſt allezeit Wachſame ſchien ſich auf der Reiſe von ſeinem nächtlichen Dienſte zu erholen. So gelang es mir die Treppe hinunter, an den Zimmern des Großvaters vorbei, bis in den Hof zu ſchleichen, wo der Knecht im Stalle, bei'm Anbruch des Mor⸗ gens, ſpeben ſich dehnte und reckte. Eine Kleinigkeit genügte, ihn zu gewinnen; er übernahm die Beſorgung des Briefes, deſſen Em⸗ pfänger in der Pfarre des Waiſenhauſes zu erfragen war, und gelobte feierlich Verſchwiegenheit. Der Knecht kannte ohnedies vom Anſehen den italieniſchen Herrn Dubois, wie er ſagte. Ungeſehen gelang es mir, mein Zimmer wieder zu erreichen. Mit erleichtertem Herzen, faſt mit dem Bewußtſein einer guten That, warf ich mich auf's Lager und ſchlief bis in den hellen Tag hinein. Ein freundliches Traumbild hatte mich erquickt, als ich, freilich etwas ſpäter als commandirt war, zum Frühſtück unten bei'm Reichsgrafen erſchien. Erlaucht ſchien ziemlich gut aufgelegt, ob er mich ſchon als Langſchläfer begrüßte.
„Wir find wohl ſpät zur Ruhe gekommen?“ fragte er, mich gleichſam mit dieſer Frage entſchuldigend;„tief in der Nacht hörte ich über mir noch kabolzen!“
Das Blut ſtieg mir in's Geſicht; ich ſtand wie Jemand da, der das Gericht über ſich erwartet. Zum Glück verzog ſich das Gewitter, das hereinzubrechen drohte. Sommerlotte war ſchon zuvor in's Gebet genommen; er hatte betheuert, von Nichts zu wiſſen.
„Wenn er nur nicht nachtwandelt!“ ſagte der Großvater halb für ſich hin, ohne mich anzuſehen.
„Wir haben Vollmond“, berichtete Sommerlotte.
„Es wäre ein Erbſtück“, ſagte Erlaucht kleinlaut und traurig.
Ich wagte nicht zu fragen: Von ihm oder von ihr, von Vater oder Mutter? Auf Jenes Rechnung kam ſonſt Alles, nach der Mei⸗ nung des geſtrengen Herrn, was mir von Geburt anklebte.


