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„Kinder“, flüſterte der Reichsgraf mit Eifer und Leidenſchaft, Lavater und die Gräfin bei den Händen faſſend und bei Seite ziehend, „Kinder, haltet Euer Haus rein!“
Die Gräfin ſchien von neuem Verſuche zur Verſöhnung und Annäherung machen zu wollen.„Kinder“, wiederholte der Großvater, „ich könnte Euch Geſchichten erzählen—! Und halten's mir zu Gnaden, wenn ein alter, rauher, deutſcher Bär ungebährdig herausplatzt. Hat er doch ſo manchen Fuchs ſchon aus ſeiner Höhle geſchreckt.— Aber um den jungen Mann, der mir enpfohlen iſt, bitte ich wiederholt.— Morgen zum Frühſtück, wenn es beliebt!“ richtete er ſcheidend noch die Worte an Kaver, der eifrig bemüht, ſich uns zu nähern, zur Seite ſtand. Der Reichsgraf empfahl ſich der beſtürzten Wirthin und dem werthen Lavater, den er, wie zur Verſöhnung, mit beiden Armen an's Herz drückte, während er der Gräfin die Hand zum Abſchied küßte.
Unſer Wagen hielt ſchon lange. Wie wir ſaßen, ſah ich unter den am Schlage Stehenden bei'm Schein des Windlichtes noch in Kaver's dunkelbraunes, leuchtendes Auge. Ich drückte mich in die Wagenecke. Aus dem Gewirr und Tumult der Geſellſchaftsſcenen blieb ſeine Geſtalt fragend, ſuchend, vom Unheil bedroht und um eine Freiſtatt bittend, vor meinem Geiſte ſtehen.
Siebentes Rapitel. Examen und Beichte.
Ich ſchloß die Nacht kein Auge. Ich fühlte mich nach zwei Seiten hin als Mitwiſſer ſchuldig; ich zitterte vor der Entwickelung der Dinge, ſie mochte ſich wenden, wie ſie wollte. Kaver ſollte in unſer Haus treten, und er hatte eine Miſſion überkommen, welche die Ruhe des Reichsgrafen ſtörte, vielleicht gar ſeine Ehre kränkte. Er ſollte die Exiſtenz eines geheimen Documentes ermitteln, und Niemand wußte ſo gut darum, als ich. Er war, ob freiwillig, ob gezwungen,
Mitglied eines geheimen Bundes, deſſen Zwecke dunkel waren; er


