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ſeines Hauches ſpürte. Habt Dank, Edle! Aber mein Schickſal ruft mich ab. Ich erhielt geſtern Briefe vom Großmeiſter aus Malta, die meinen Aufbruch fordern.“
Großvater Erlaucht war bei dieſer Rede ſehr unruhig geworden. Er griff ſich in den Buſenlatz, wühlte in den Taſchen herum, er ſchien etwas zu ſuchen, vielleicht einen Aufſchluß. Die Gräfin unterbrach die weiteren gottgeſalbten Ergießungen, indem ſie auf den Großvater zuſchritt und mit der Bitte, ſich ein ländlich ſchweizeriſches Nachtmahl gnädigſt gefallen zu laſſen, ſeinen Arm forderte. Sie winkte zugleich auch mir zu und Alles folgte dem Paare in den hintern Flügel des Hauſes, wo ſich die kleine Geſellſchaft im Speiſezimmer zum Souper wiederfand. Ich ſaß zur Rechten unſerer edlen Wirthin, uns gegenüber San Germano. Kaver hatte ſich an das äußerſte Ende der Tafel zurückgezogen, die Schlange Carlotta hatte ſich an Sanct Lavatus Seite gedrängt, lachend, geſchwätzig, geſchäftig, als wollte ſie auch ihm einen Apfel aus dem Paradieſe reichen.
Das Mahl war nicht ſo einfach, als es die Gräfin bevorwortet. Es war recht eigentlich für Deutſche eingerichtet, und der Großvater war galant genug, um hieran das Geſpräch zu knüpfen. Aber bald genug war der Zaubermann von neuem ausſchließlich Gegenſtand des Intereſſes. Er ſprach lebhaft, aber er enthielt ſich aller Speiſe. Als ihm der Diener auf den Wink der Gräfin die Schüſſel wiederholt anbot, machte er die Mittheilung, daß er ſeit einigen Woche faſte.
„Das Hungern bekommt Ihnen ſehr gut!“ ſagte der Großvater und ſah ihm ſatyriſch in das rothbraune volle Geſicht.
„Der Schwung meiner innern Stimmung erhält mich,“ ſagte Germano mit ruhiger Sicherheit.„Ich bedarf zu einem Acte, der mir bevorſteht, der ganzen Sammlung meiner Kräfte. In der Wüſte, als Anachoret, hab' ich es erfahren, wie weit der Geiſt ſich läutern kann, wenn der Leib ſich der irdiſchen Nahrung enthält. Meine Seele wurde immer reiner, lichter, freier; ich brachte es bis zur Viſion, bis zur Prophetie. Seitdem gelang es mir freilich nicht, denſelben Grad in meiner Stimmung von neuem zu erreichen.“
Großvater legte Meſſer und Gabel bei Seite und zerrte an ſeinen
Vergetten. Ich kannte das als ein böſes Zeichen des anrückenden Zorns. D. B. V. Kühne, Die Freimaurer. 11


