Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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Es gibt im Innern Africa's, fuhr San Germano harmlos fort, ein Volk, das einmal im Jahre einen Tag lang wacht und faſtet und ſich dann auf die Gräber der Vorfahren, zum Schlafen niederlegt. Aus den Träumen, die in ſolcher Nacht in ihnen aufſteigen, deuten ſie ihre Zukunft, ja richten danach ihre Handlungen ſchon in der Gegenwart ein. Was die Pythia und die Sybillen der Alten ſagten⸗ war eben auch nur das Ergebniß eines magnetiſchen Schlafes.

Mich fiebert, rief der Großvater,wenn ich das Wort magnetiſch höre. Mit einer ſeltſamen Haſt und wie aus Verzweiflung griff er wieder nach Meſſer und Gabel.

Erlaucht ſind kein Freund vom Prophezeien? ſagte der Graf.

Doch, doch! verſicherte der alte Herr;ich prophezeie ſelber, d. h. ich ſchließe von der Urſache auf die Wirkung, vom Keim auf den Baum. Und was die Träume anbelangt, ſo kann ich ſehr gut begreifen, wie Speiſ' und Trank darauf Einfluß haben. Wenn ich auf Träume etwas gäbe, würde ich mir wie die Pythagoräer die Bohnen verbieten; ſie haben eine bekannte eigenthümliche Wirkung und machen ſchlechte Träume. Träume kommen aus dem Bauche, mein Lieber, nicht?

Die Gräfin ſah ſehr gequält aus; Lavater hing den Kopf.

Ich möchte das gar nicht beſtreiten, erhob San Germano ohne alle Verlegenheit ſeine ſchallende Stimme;im Gegentheil noch weit mehr als dies behaupten, ich möchte ſagen: die Seele des Men⸗ ſchen hat ihren Sitz im Magen.

Hoho! lachte der Alte;ich dächte, die ſäße im Kopfe. Aber freilich, der Köpfe ſind vielerlei und es giebt auch ſehr hohle.

Wenn die Seele nicht im feuchten Dunſt der Gehirnhöhlen ihren Sitz hat, begann Lavater einlenkend.

Bei manchen Leuten, unterbrach ihn der Großvater erhitzt, ſieht es da oben nicht feucht, ſondern gar ſehr trocken aus.

So müſſen wir ſie zwiſchen den Augenbrauen annehmen, fuhr docirend Vater La fort, deſſen ſanfte Stimme wehmüthig im polternden Lärm der beiden Streiter verklang.Am beſten würde man thun, wenn mgßn ſie nirgends fixirte, fügte er zum Schlichten der Gegenſätze freundlich bittend hinzu.