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ſprach von ſeiner Liebe zu Deutſchland, von deutſchem Tieffinn und Geiſt, dem es vorbehalten ſei, in einer neuen Religion die ſtreitenden Elemente der Menſchheit zu verſöhnen. Das Zeitalter eines neuen Jeruſalems ſei nahe; Chriſtus werde nicht in Perſon wiederkommen, aber ſeine Boten ſenden.
Er war an jenem Abende der ſtehende Mittelpunkt der Ver⸗ ſammelten. Nur Einige hatten ſich in den Garten entfernt. Ich nahm ebenfalls die Gelegenheit wahr, das Freie zu ſuchen.
Der ſchöne Lindengang war mit farbigen Lampen erleuchtet. Er führte zu dem offenen Pavillon an der Limmath, in welchem Lavater mit der Gräfin Branconi ſeine phyſiognomiſchen Studien trieb, ihr vielleicht auch ſeine Ausſichten in die Ewigkeit ſpeziell eröffnete. Eine Ampel brannte in der Mitte des kleinen Salons. Ich begann dort die Silhouetten und Porträts zu durchmuſtern, die an den Wänden hingen, ich nahm den Stift und trug einige merkwürdige Linien in mein Tagebuch; aber die Beleuchtung war zu matt, ich trat in den Hintergrund und lehnte mich in die Ottomane, die in der Niſche ſtand. Meine Gedanken hafteten an dem Manne, den ich vielleicht bald als zu mir gehörig begrüßen konnte.
Plötzlich ſtand er ſelbſt leibhaftig auf der Schwelle vor mir. Er blickte ſich um, und eh' ich mich aus dem Schatten erheben konnte, war ihm die orientaliſche Donna gefolgt. Er ſah ſie erwartungsvoll an, als wollte er ſagen: Du haſt mich gerufen, hier bin ich!—„Save⸗ rio!“ ſagte ſie, ihn italieniſch mit ſeinem Vornamen anredend,„es liegt jetzt in deiner Hand, uns zun Ziele zu verhelfen; jetzt oder nimmer gründen wir auf deutſchem Boden den Bund der Freunde des neuen Jeruſalems!“
„Und wenn ich,“ erwiederte Kaver abweiſend,„was Ihr für Euer Ziel erklärt, nicht für das meinige anſehe?“
„So ſind wir uns auch darin gleich, mein Theurer,“ lautete die Antwort,„zu Zielen die Hand zu bieten, die uns nur Mittel ſind für unſere höheren Zwecke.“
„Ich habe nichts mehr mit Euch gemein, weder Mittel noch Zwecke!“ ſagte Faver mit entſchiedener Feſtigkeit.
„Du nicht mit uns, aber wir mit dir!“ ſagte die Signora.


