Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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hatte die ägyptiſchen Pyramiden und Katakomben beſucht, erzählte vertraute Einzelnheiten von der ſtillen Gemeinde des Prieſters Jo⸗ hannes, jenes angeblich unmittelbaren Nachkommen des Evangeliſten, mit deſſen Colonie in Nubien, mitten in der Wüſte und mitten im Sturme der Jahrhunderte, ſich ein einfach reines Chriſtenthum bis auf unſere Tage fortgepflanzt haben ſollte. Hiermit hatte er in La⸗ vater's Kreiſen Zutritt und Spielraum gewonnen. Je weltlicher, ja derb ſinnlicher nebenbei ſein Weſen war, deſto ſpannender wurde das Räthſel ſeiner Erſcheinung. Die Erzählung ſeines Aufenthaltes in Medina trug das Gepräge der genaueſten Selbſtanſchauung. Man hielt ihm Vieles zu gut, weil man ihm die Vorrechte des genialen Sonderlings einräumte; er durfte ſelbſt vor Lavater's keuſchen Ohren die Reize des mohamedaniſchen Lebens ſchildern.

Ich blickte in ein rothbraunes, gewaltig vollblütiges Geſicht, deſſen gedrungene Muskelfülle, deſſen ſtarke Brauen, wie die verſteckt glühenden Augen von der unleugbaren Kraft dieſes ſeltſamen Menſchen zeugten. Die entſchloſſene Elaſticität ſeiner Glieder entſprach ſeiner geiſtigen Gewandtheit. Seltene Kenntniſſe, reiche Erfahrungen mochten die Macht, die er übte, unterſtützen. Aber dieſe Macht lag nicht in dieſen Einzelnheiten, die vielleicht Mancher mit ihm theilte; ſie lag in der Schwärmerei ſeiner brütenden Seele, in dem Hange zum Wun⸗ derbaren, der ſein Jahrhundert beherrſchte, in der Sehnſucht der Menſchen nach dem Ewigen, die ſie mitten im Ekel vor der hinfälligen Eitelkeit des Lebens erfaßte. Voll Ueberdruß an der Ausſchweifung der ſinnlichen Freuden, und doch unfähig, zur Arbeitſamkeit einer ſtrengen Lebenseinfalt zurückzukehren, wollte das ablaufende Jahr⸗ hundert durch Schwelgerei der Empfindung, durch einen Sybaritismus des Geiſtes das Gefühl der Leere und die Reue über die NRichtig⸗ keiten der äußeren Welt verdrängen. Im Angeſicht des Mannes lag, bei aller Pfiffigkeit des verſchmitzten Schelms, der Zug des Schwär⸗ mers, der die Schwächen ſeines Zeitalters benutzt, weil er ſie kennt, ſie kennt, weil er ſie theilt.

Der Mann war an jenem Abend in der Uniform eines portu gieſiſchen Offiziers. Er redete uns auf eine Weiſe an, die es merklich machte, er wolle das Incognito des Reichsgrafen nicht anerkennen. Er ſagte, er werde Deutſchland, er werde unſern Hof beſuchen. Er