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wir in den Raum traten, wo einige geiſtig Geſtörte behandelt wurden, ſahen wir am entgegengeſetzten Fenſter eine Geſellſchaft um ein Kran⸗ kenlager beſchäftigt. Die breitſchulterige Geſtalt eines Mannes, der uns den Rücken zukehrte, ſtach gegen die andern hervor. Er ſprach mit lauter Stimme, die Uebrigen hörten; er ſchien über das Phäno⸗ men der Krankheit zu dociren.
„Ein vornehmer Herr aus Italien“, ſagte der Arzt auf unſere Frage.„Er ſcheint ſich für die Behandlung der Beſeſſenen zu intereſſiren; er beſucht uns häufig, ja er wird uns faſt überläſtig. Erſt neulich drang er mitten in der Nacht in's Zimmer und ſtellte bei'm Schein des Vollmondes bei einer Unglücklichen, die an Beängſtigungen des Gehirns leidet, Verſuche an, die wir Aerzte nicht gutheißen dürfen. Der Fremde erweiſ't ſich freilich ſonſt gegen die Anſtalt ſo wohlwollend und mildthätig, daß wir ſeiner Neugier und ſeiner Jagd auf Merk⸗ würdigkeiten keine allzuengen Schranken ſtellen mögen.“
„Haha, Graf San Germano!“ ſagte der Großvater, denn er ſah auch Lavater unter den Verſammelten. Abſeits von ihnen ſtand eine nicht mehr junge Dame in auffallendem Reiſecoſtüm mit Strauß⸗ federn auf dem turbanartigen Hute. Der gelbe Sammet ihres Klei⸗ des wetteiferte faſt mit der Olivenfarbe ihres Antlitzes, in deſſen ſcharfgeſchnittenen Zügen ſich eine Tochter des Südens, wo nicht des Orients verrieth. Sie wurde uns ſpäter als Signora Carlotta, Nichte des verſtorbenen Papſtes, bekannt. Sie nahm keinen Antheil an den Beobachtungen der Geſellſchaft und war in einem lebhaften Geſpräch mit einem jüngeren Manne begriffen, deſſen ſchwarze Tracht, obſchon ſie ohne beſondere Abzeichen war, den Geiſtlichen erkennen ließ. Doch war ſein Haupthaar weder proteſtantiſch geſcheitelt, noch verrieth es die katholiſche Tonſur. Ehrn Lavater hatte uns wahr⸗ genommen und trat raſch aus dem Kreiſe, um uns zu begrüßen. Der Reichsgraf winkte ihn bei Seite und bat, hier keine Bewillkomm⸗ nung mit ſeinen Gäſten einzuleiten.
„So werden Ew. Gnaden geruhen, heute Abend bei der Gräfin zu erſcheinen“, ſagte Lavater dringend,„der Frau Gräfin wird es eine beſondere Ehre ſein, die deutſchen Herren bei ſich zu ſehen!“—
Die Geſellſchaft ging jetzt an uns vorüber, und Lavater erhielt, weil er nicht eher ſcheiden wollte, unſere Zuſage für den Abend.—
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