wandeltes Geſchöpf und müſſe auf eine Erlöſung harren, die mir nun heute, juſt am Tage meiner Geburt, an der Seite meiner Mutter ge⸗⸗ worden. Ueber den Mann, den ich zuerſt als geſtrengen Herrn Ober⸗ förſter und als oberſten Zuchtmeiſter meines jungen Lebens kennen gelernt, wagte ich nicht Klage zu führen, aus Beſorgniß, die Frau, die ja doch ſeine Tochter ſein ſollte, zu betrüben. Ich erzählte ihr lieber vom Knecht Jacob und unſeren heimlichen Streichen, wie ich ihm Holz ſpalten half, und wie wir höchſt verſchmitzt mit rothen Lappen Fröſche im Sumpf gefangen. Es ſchien ſie zu erheitern; ſie lachte und weinte jedoch in ſtürmiſchem Wechſel, nannte mich ihren Kobold und preßte mich ſo ſchmerzlich an ſich, daß ich mich nicht regen konnte. Wie ſie erſchöpft in der Wagenecke lehnte, lag ich mit der Schläfe an ihrem Buſen und fühlte in banger Scheu das heftige Pochen ihrer krampfhaften Pulſe. Eine unnennbare Seligkeit rieſelte durch meine Glieder, Schmerz und Freude hielten mich in ſüßer Betäubung gefangen.
o fuhren wir ohne Anhalt ſtundenlang; die gleichmäßige Bewegung 5 s Fahrens machte ihre einſchläfernde Wirkung, der füße Rauſch eines ſchmerzbewegten Glückes im Gefühl unſeres Wiederſehens bannte unſere Lebensgeiſter.
Plötzlich hielt die Karroſſe. Die Lakaien ſprangen ab, der Schlag ward geöffnet und in hellem Schimmer lag eine erleuchtete Schloßhalle mit ihren Stufen und Säulen vor uns. Ein Herkules von Stein ſtreckte uns ſtatt der Keule einen Arm voll Kerzen entgegen; in den Niſchen ſtanden zwei lebendige rothröckige Grenadiere mit Bärmützen. Ein mit Gold und Silber reich beſtickter Herr, ein graues Gekräuſel auf dem Scheitel, Stoßdegen und Hut zur Seite und in weißſeidenen Hoſen und Strümpfen mit blitzenden Schuhſchnallen, trat an den Schlag und eröffnete uns, Erlaucht, ſchon vor uns ſo eben zurückge— kehrt, habe befohlen, der Gnädigen ihre Appartements anzuweiſen und ihr das Geleit zu geben.
Die Frau, die ich meine Mutter nannte, lag ſo erſchöpft in der Wagenecke, daß es ſchwer hielt ſie zu ermuntern. Ich küßte ihre Hände, ſie waren kalt und feucht; ich ſchlug den Schleier zurück, der über ihr Antlitz gefallen war; ich rief ſie mit den ſüßeſten Namen der Zärtlichkeit. Eine Ohnmacht hielt ihre Sinne umfangen. Die Diener mußten behülflich ſein ſie aus dem Wagen zu heben; zwei Männer


