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trugen ſie die Treppe hinauf. Die Arme des zarten ſchlanken Leibes hingen ſchlaff über den Schultern der beiden Leute. Ich ſchlich wie unbeachtet, wie ungezählt, nebenher die Stufen hinauf. Ich weinte zum erſten Male in meinem Leben bittere Thränen. Die glänzend erleuchtete Halle, die uns empfing, erſchien mir wie eine feierliche, ſtolzgeſchmückte Todtencapelle.
Oben war das Treppenhaus durch Glasthüren vom inneren Raum getrennt. Armleuchter brannten an den Marmorwänden, Pagen in bunten Röcken machten Spalier, ſeidene Schleppen rauſchten auf dem ſpiegelglatten Boden. Im zweiten Cabinet übergab man die Kranke der weiblichen Bedienung, die ſie in Empfang zu nehmen bereit war. Ich drängte mich mit hinein, und man wehrte mir nicht. Erſt als die Thüren ſich hinter uns ſchloſſen und die Männer ſich entfernt hatten, muſterten mich einige Blicke von der Seite, ungewiß, mit welchem Recht ich hier mich eingedrängt. Lieber Himmel, ich hatte hier das erſte und heiligſte Recht, ich hätte es mir auch um keinen Preis nehmen laſſen; kaum errungen, konnte ich den unſicheren Beſitz der Mutter nicht ſchon wieder aufgeben.
Sie lag auf einem Ruhebett; erfriſchendes Waſſer, mit dem man ihre Schläfe benetzt, rief ſie in's Leben zurück.„Joſeph, biſt du hier?“ war ihr erſtes Wort, und ihr erſter Blick ruhte auf mir. Bang und beklommen kniete ich vor ihr nieder; ihre feine weiße Hand wühlte in meinem wild verworrenen Haar.
Es war ſchon tief in der Nacht; die Kranke bedurfte der Ruhe. Die angeſtrengte Reiſe in ununterbrochenen Eilmärſchen hatte ſie er— ſchöpft; ſie war erſt am Tage zuvor im Schloſſe angekommen, hatte ſich ſofort die Erlaubniß erwirkt, den Sohn zu ſehen, war aber dem geſtrengen Herrn, ihrem Vater, der mich holen ſollte, nachgeeilt und zuvorgekommen; den Aufregungen des Wiederſehens war dieſer Zu⸗ ſtand der Abſpannung und Schwäche gefolgt. Sie ließ ſich willig entkleiden und zur Ruhe bringen, aber ſie duldete nicht, daß man mich von ihr entfernte. Ich lag auf dem weichen Teppich zu ihren Füßen und leiſtete der Natur auch ſchließlich den Tribut, während ich noch im Schlafe von Zeit zu Zeit ihre Hand meine Stirn betaſten fühlte, als wollte ſie ſich meines Daſeins verſichern.—
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