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davon geſagt, in der Weltgeſchichte ſtanden wir immer noch bei den Griechen und Römern. Plötzlich hing, was der alte Herr, der Vater meiner Mutter, als katholiſch bezeichnete, wie eine verhängnißſchwere, gewitterſchwüle Wolke über mir. Es war, ſo ſchien es, ein Ver⸗ brechen, katholiſch zu ſein. Aber es war für mich faſt ein lockendes Vergehen, deſſen Geheimniß mich reizte, wenn ſich damit der Gedanke an eine ferne, mir unbekannte Mutter und die Sehnſucht nach Liebe zu ihr vermiſchte. Nannte man, was der Pfarrer im Religionsunter⸗ richt mit den zehn Geboten mir vorhielt, proteſtantiſch, ſo ſchien mir das ein Ausbund aller Trockenheit, den ein junges Herz nicht brauchen konnte.
Die mich betreffenden Verordnungen des geſtrengen Herrn wurden eben ſo ſchnell gegeben wie ausgeführt. Es war ſchon ſpät Abends; ich wurde ſchnell aufgepackt, um transportirt zu werden. Denn anders wie ein Bündel ward ich nicht genommen und beigeſteckt. Frau Baucis humpelte zwar einige Mal keuchend treppab und auf, allein mein Bratenrock genügte, und ich war reiſefertig; das zerzauste, heudurch⸗ flochtene Haar ward raſch mit einem ſchwarzwollenen Streifen zu einem Zopf zuſammengebunden, die Manſchetten ſaßen feſt am Rockärmel, den Zuſtand an Schuh' und Strümpfen deckte der Mantel der Nacht und der Reitermantel, in den ſie mich ſteckten, um mich auf's Pferd zu ſetzen. Frau Baucis war ſo gerührt, als wär's ein Abſchied für alle Ewigkeit. Sie ſprach von dem höheren Berufe, dem ich nun entgegenginge.
Ich meinerſeits guckte nur ſcheu nach dem Geſtrengen hinüber und dachte an die heillos fallen gelaſſene Wendung:„Dann gibt's ein ander Mal Fuchtel, junger Menſch!“ Ich hatte allen Reſpect vor der ſouveränen Hoheit dieſes Zuchtmeiſters. Ich glaube, ich war von meinem Alten⸗Rheinweinrauſch erſt jetzt vollſtändig nüchtern geworden; der Schwindel zur Empörung war verflogen.
Die gute Pfarrerin trippelte ſchluchzend um mich herum; faſt hätt' ich ihr meinen Kellerſtreich geſtanden, blos um ihr durch etwas Zorn gegen mich den zärtlich aufgelöſten Abſchied zu erleichtern. Sie zerfloß ganz in Thränen, der Pfarrer war ſalbungsvoll; es war wie auf Nimmerwiederkehren.


