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Er ſchnitt mir Stöcke und ging mit mir in's Weite, wenn der Pfarrer nicht mitkonnte. Jacob fing gern Fröſche, und wir ſaßen in unſern Holzpantoffeln oft ſtundenlang am Teich, lockten die Thiere mit rothen Lappen und ſpießten ſie mit Meſſern. Er ſchnitt dann die Keulen ab und briet die Stücke. Ich verſpeiſte bald mit demſelben Wohlgefallen wie er die Leckerbiſſen. Es mußte heimlich geſchehen, und das Heimliche war eben der Grund meines Wohlgefallens. Auch daß ich mir das ſelbſt erworben, war der Reiz daran. Den Knecht Jacob hatte ich bald von ganzem Herzen lieb, weil ich ihm etwas ſein und ihm helfen konnte. Er trieb die Prüderie und den Reſpect gegen mich nicht ſo weit wie die alten Leute; ich durfte ihm ſelbſt an die Hand gehen, wenn er Holz hackte, und das wußte ich ihm Dank, denn ich gewann mir damit ein Recht auf ihn. Was mir die Pfar⸗ rerin ein Mal ſagte, ich müſſe mich nicht ſo gemein mit ihm machen, verſtand ich nicht. Ich hackte lieber Holz als lateiniſche Verſe.„Jacob iſt gar zu dumm!“ ſagte die Alte; aber ich begriff nicht, wie das einen Grund abgeben konnte, ihm gram zu ſein. Ich hatte nur Groll gegen Diejenigen, die ſich wider meinen Willen meines Lebens bemäch⸗ tigten. Ich liebte Knecht Jacob nur um deſto mehr und dachte Tag und Nocht darauf, ihm den Dienſt zu erleichtern, ihm das Leben zu verfüßen. Leider war er nicht dahin zu bringen, mich Du zu nennen, er ſprach immer im Plural mit mir.„Der junge Herr wollen, der junge Herr müſſen,“ war immer ſeine Rede.„Hol' der Henker den jungen Herrn!“ war das höchſte Maß der Vertraulichkeit im Pathos ſeines Unwillens. Trotz der Furcht vor dem Pfarrer, der ihm die reſpectvollen Grenzen im Behaben zu mir ſtreng vorgezeichnet, hatte Knecht Jacob mich ſehr lieb und war zuthunlich mit mir und menſchlich.
Ich hatte längſt darauf geſonnen, ihm einmal eine beſondere Freude zu machen. An meinem Geburtstage— ich glaube es war mein vierzehnter— erhielt ich Kuchen mit Lichtern beſcheert, hatte mehr Freiſtunden als ſonſt und ging in den Sonntagskleidern herum. Ich meinte, es ſei weit paſſender, an ſolchem Tage Denen, die man gern hat, was Liebes zu thun, als ſich von ihnen pflegen und be⸗ ſchenken zu laſſen. Ich hatte mein Kuchenwerk heimlich für Jacob beſeitigt, aber ich wollte es ihm nicht trocken beſcheeren. Ich wußte, er„og gern Einen,“ wie er ſagte, und es ſollte ein Feſt für mich


