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„Haſt Du keine Brüder?“
„Fünf im Ganzen. Jim iſt Soldat und Nipper über's Waff er geſchickt worden. Harry am Kreuz—“
„Am Kreuz?“ ſagte Charles.
Ah!“ ſagte der Knabe,„er geht aus beraffen und ſo was. Er iſt ein Dieb, und ein ſchlauer. Der's klug, unſer Harry.“
„Aber was iſt beraffen?“ ſagte Charles.
„Gi Taſchentücher und Priſendoſen und Arbeitsbeutel mauſen, und dergleichen.“
Charles war mit der Gaunerſprache nicht ſo unbekannt, um jetzt nicht zu verſtehen, was der Knabe meinte. Er ſagte:
„Aber Du biſt kein Dieb, wie?“
Der Knabe ſchaute offen unb ehrlich zu ihm auf und erwiderte:
„O, Du Herrgott, nein! ich würde mich ſchlecht darauf verſtehen. Dazu bin ich nicht herzhaft genug!“
Er gab dem Knaben zwei Pence mit der Weiſung, den einen davon in einem Balle anzulegen, und dann ſchlen⸗ derte er gleichgültig fort,— jeden Tag gleichgültiger, und noch waren keine drei Wochen vergangen!
Seine Gedanken kehrten ſehr oft zu dieſem Kinde zurück. Er ertappte ſich darauf, daß er mehr an den kleinen Schelm dachte, als er ſich zu erklären vermochte. Das ſeltſame Geplauder des Kindes, ſo unſchuldsvoll und, wie er meinte, ſo hübſch, über Laſter, Verbrechen und Elend, über den einen Bruder, der deportirt, und den andern, der ein Dieb ge⸗ worden war und ſeine Schweſter noch bis zum Ende von allem Ende lieben konnte. Seltſames Geplauder, in der That, von den Lippen eines ſiebenjährigen Kindes.


