Druckschrift 
Die Diakonissin : ein Lebensbild / von Karl Gutzkow
Einzelbild herunterladen

die Vergangenheit nicht zu beſtürmen. Ich reiſte ab mit dem wärmſten Danke, den er mir mit Klarheit ausſprach. Ich nahm ihm das Verſprechen ab, bald zu uns nach der Hauptſtadt zurückzukehren. Hier endlich vor wenig Wochen ſelbſt wieder angekommen, mußte ich von der Ferne her die Trauerbotſchaft ver⸗ nehmen, daß die Folgen des Typhus Wolmars Geiſt verdunkelt, die Klarheit ſeiner Vorſtellungen ſo ge⸗ trübt hätten, daß auf eine an Freydank hierher ge⸗ langte genauere Beſchreibung dieſes Zuſtandes dieſer einen Beauftragten abſandte, um Wolmar, wenn irgend möglich, hierher zu führen.

Ich rechnete darauf, ergänzte Freydank, daß die Pflege und Obhut der Freunde mehr zu Stande brin⸗ gen würde, als der Dienſt gemietheter Wärter. Die Nachrichten, die man mir geſchrieben, beſtätigte der Augenſchein. Wolmar kam in einem bemitleidens⸗ werthen Zuſtande an. Er iſt weder in einem Wahne befangen noch in einem Zuſtande bedenklicher Aufre⸗ gung, nur die unternehmende Kraft des Geiſtes iſt gelähmt, der Wille muthlos, das Gedächtniß umflort. Meinem energiſchen Gruße ſtand er mit vollem Be⸗ wußtſein Rede. Ich glaubte vernünftig zu handeln, als ich ihn ſogleich mit hieher auf dieſe Villa nahm,