Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Waſſer in Bajä kalt, da ließ Venus den Amor darin ſchwimmen, es fiel ein Funke von ſeiner Fackel hinein und entzündete es. Seit dieſem Tage verfällt man in Bajä zu leicht in Liebe, und ich möchte nicht, daß Du mir untreu würdeſt, Cäſar. Laß mich in dem ſchönen Wahne ſterben, mein Gemahl, daß ich die einzige bin, die Du liebſt.

Sprich nicht vom Sterben, Theure, wo die Jugend Dich noch bekränzt, wandte Cäſar in zärtlichem Tone ein und beugte ſich über die Stirn der Gemahlin, um ihr die Todesahnungen wegzuküſſen.

Am folgenden Morgen bewegte ſich ein reicher Reiſezug die Appiſche Straße entlang, welche die Stadt mit dem Meere verband, Antium und Bajä ſtreifte und dann über Neapel und Venuſia nach Tarent ging.

Die Straße war ungemein belebt, jetzt noch mehr als in gewöhnlichen Zeiten, weil ſich auch die Reichen, die ſonſt tiefer im Süden zu wohnen pflegten, hierher zurückgezogen hatten, um dem Kriegsgetümmel zu ent⸗ gehen.

Cäſar hatte als Aedil viel für die Verſchönerung der Straße gethan, indem er zu beiden Seiten derſelben Bäume pflanzen ließ und die in Verfall gerathenen Gräber, welche die Straße zu beiden Seiten umſäum⸗ ten, reſtaurirte.