Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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Geſund iſt das Kind, ſagte der Arzt,aber es wird nicht geſund bleiben. Zu viel Sonne ſchadet manchen Pflänzchen ebenſo ſehr als zu wenig. Wenn eine Blume anfängt, welk zu werden, iſt ſie auch noch nicht krank, ſie lebt ſich aus und der Begriff des Alt⸗ werdens braucht ſich nicht auf Jahre hinaus zu er⸗ ſtrecken. Man kann alt werden in einer Nacht, in einem Tage. Dem Kinde fehlt offenbar nichts, aber es iſt die Frage, ob gerade die Ueberfülle immer zum Gedeihen beiträgt. Gewiſſe Pflanzen, zum Beiſpiel der Epheu, kommen im feuchten Schatten beſſer fort als im brennenden Sonnenſchein.

Nun alſo, weshalb wäre denn ein Grund zur Sorge? rief Erna, die über den behäbigen Gleich⸗ niſſen des geſprächigen Herrn alle Geduld verloren hatte

Wie geſagt, begann jener von neuem,es iſt eigentlich kein Grund da, aber ob dieſe ſogenannte blühende Geſundheit eine dauerhafte, das wage ich nicht zu behaupten und lehne jede Verantwortung ab. Mit dem künſtlichen Aufziehen und Aufpäppeln hat man nur ſelten Glück, und noch Jahre hinaus wird es empfunden, wenn das Kind zu raſch entwöhnt wor⸗ den iſt. Die Mutter fehlt dem Kleinen, ſonſt nichts! Denn Sie ſind doch nicht die Mutter, wenn ich recht unterrichtet bin?