Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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180 ſonſt, aber Carlman fand den alten unbefangenen Ton nicht mehr.

Unmerklich, aber unwiderſtehlich hatte ſich ein tie⸗ fer Widerwille gegen Erna in ſeine Seele geſchlichen. Er haßte ſie nicht gerade, wie man eine Schlange, eine Spinne haſſen kann, nein, ſie war ihm fremd und gleichgültig geworden, und je mehr er dies zu verber⸗ gen ſtrebte, deſto mehr verrieth es ſeine kalte, glatte Höflichkeit, ſeine Zerſtreutheit bei ihren Worten, ſeine herzliche Wärme im Verkehr mit Philomena.

Erna litt dabei Unſagbares, und es fehlte wenig, daß ſie einen tödtlichen Haß auf das unſchuldige Kind geworfen hätte, das ſie als die Urſache der Entfrem⸗ dung anſehen mußte.

War ſie allein, ſo konnte ſie ſtundenlang in brü⸗ tendem Nachdenken ſitzen und in ſtrömenden Thränen. Unbekümmert ließ ſie dann das Kind ſo viel ſchreien, als es mochte. Hörte ſie aber den Schritt Carl⸗ man's, dann raffte ſie ſich auf, um anders zu ſcheinen, als ſie wirklich geſtimmt war, ja ſie that ſelbſt zärt⸗ lich mit dem Kinde, um ihrem Gatten zu gefallen; in Wahrheit hätte ſie das Kind vergiften konnen, und ein Beobachter hätte ſagen müſſen, daß an jedem Tage der Engel des Todes über dem kleinen Weſen ſchwebe.

Lange konnte es nicht mehr ſo fortgehen, und es