Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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Philomena ſah den Schwager eine Weile prüfend an, als mißtraue ſie dieſer Fülle von Selbſtvorwürfen. Das verſtehe ich nicht ganz, ſagte ſie dann. Vergnügungsſüchtig iſt doch Erna niemals geweſen. Aber ſie ſoll es ſein, ſie ſoll etwas haben vom Leben, rief Carlman,und deshalb iſt es gut, Mäd⸗ chen, daß Du gekommen biſt. Sei Du ihr guter Haus⸗ geiſt, der ihr heitere, beſſere Gedanken bringt und ihr keine Zeit läßt zum Grübeln und Grämen. Dazu biſt Du wie geſchaffen, mein Kind, vorausgeſetzt, daß Du hier bleiben willſt und wieder gut mit mir biſt.

Er hatte dabei ihre Hand ergriffen, und Philo⸗ mena ließ ſie ihm, jetzt legte ſie den Kopf an ſeine Schulter, und wieder hauchten ihre Lippen:

Ich bin ja glücklich, wenn Ihr beide es ſeid.

In dieſem Augenblicke trat Erna und die alte Gertrud folgte ihr mit dem dampfenden Pud⸗ ding.

Laßt Euch nicht ſtören, ſagte ſie lächelnd, indem ihr Auge mit durchdringendem, faſt verklärtem Aus⸗ druck auf der holden Gruppe ruhte, die ſich bei ihrem Eintreten ſofort löſte.

Erna aber trat zum Tiſch und füllte die grünen Römer. Dann erhob ſie einen davon.

Auf Verträglichkeit, Kinder, und auf neues Leben!