Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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Fenſter ſtand und in die lautloſe Schneelandſchaft hinausſtarrte. Dann wandte er ſich plötzlich und ſagte:

Komm her, Philomena, ich will Dir etwas ins Ohr ſagen, Du mußt es aber für Dich behalten und keiner lebenden Seele verrathen. Sieh, Deine Schweſter Erna iſt ein Engel, eine Dulderin, eine Heilige, und ſie thut ſo, als ob ſie glückich ſei und keinen Wunſch mehr im Herzen habe, aber ich bin an Allem ſchuld, ich bin ihrer nicht werth, ich bin zu alt und verkom⸗ men; ich hätte ſie nicht aus ihrem glücklichen Kreiſe herausreißen ſollen, nicht aus ihrer Heimat verpflan⸗ zen ſollen, wo ſie Alles hatte, was das Herz ausfüllt und das Leben leicht macht wie in einem Waldmär⸗ chen. Dort hatte ſie Vater und Mutter und Schweſter, Blumen und Bäume, Wieſen und Quellen, zahme Hirſche und Tauben und jeder Vogel auf dem Zweig, jedes Reh im Walde kannte ſie wie die gute Fee. Was hat ſie hier in der Stadt! Nichts von alledem, tapezierte Wände und gefrorene Fenſter, leere, kalte Straßen von Backſteinen und herzloſe Menſchen, gleich⸗ gültige Bekannte, neugierige Nachbarn, Einſamkeit oder Stadtklatſch, ſonſt nichts, denn ich bin faſt im⸗ mer außerhalb des Hauſes, ich kann ihre langen ſtillen Tage nicht ausfüllen. So ein alter Staatskrüppel ſollte eigentlich gar nicht heirathen!