3¹
in das Hochland. Ein Profeſſor Treumann in Kreuth habe ihm eine Empſehlungskarte an mich gegeben, ich möchte doch ſeine Tochter, welche ſehr ſchön ſinge und Zither ſpiele, den Herrſchaften vorſtellen, damit das Mädchen Gelegenheit bekäme, ſich zu produciren.
Das Alles war ſo treuherzig und beſcheiden vor⸗ gebracht, daß ich keinen Augenblick zögerte, ſeinen Wunſch zu erfüllen; ich kannte zwar weder Profeſ⸗ ſor Treumann noch dieſen Wirth, aber es war ja möglich, daß ſie mich kannten, und wer kann die Na⸗ men aller Paſſagiere behalten, mit denen man auf Reiſen zuſammentrifft und einige Stunden verlebt.
Sittig und ſchüchtern trat jetzt Fräulein Toni Zehner vor; ich präſentirte ſie der Geſellſchaft, und ſie ſang und ſpielte eine Reihe von Liedern unter all⸗ gemeinſtem Beifall, den ſie im vollen Maße verdiente. Von dieſem Augenblick an aber war Graziana nicht mehr für mich vorhanden. Faſt ſpöttiſch ſagte ſie: Ich gratulire zu Ihrem guten Geſchmack, Graf Fedor; Sie haben ja ausgebreitete Bekanntſchaften in ganz Deutſchland. Dann ſetzte ſie ſich hinüber zu ihrer Mutter, begann mit Vetter Anatol ein eifriges Ge⸗ ſpräch und beachtete mich nicht mehr.
Auch auf der Rückfahrt nach der Scholaſtica blieb ſie einſilbig und ablehnend gegen mich. Fräulein Toni


