Teil eines Werkes 
1. Band (1873) Graziana / von Julius Grosse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

ſang auf dem Kahn die herrlichſten Lieder, während wir durch den purpurnen Abendduft auf dem blauen Waſſer dahinſchwammen; ich leugne dabei nicht, daß ich, um Graziana zu ſtrafen, der anmuthigen Sän⸗ gerin, die mir ganz unbekannt war, mehr Artigkeiten erwies, als gerade nothwendig war. Auch als ſie bei der Scholaſtica wieder ihren Einſpänner beſtiegen, um nach Kreuth zurückzukehren, rief ich den Gäſten ein frohes Auf Wiederſehen! in München zu.

Wer mir dieſen Streich geſpielt, ganz wildfremde Leute an mich zu adreſſiren, konnte ich kaum ahnen, denn daß Vetter Anatol in dieſem Fache, ſowie in der Imitation von Handſchriften Erſtaunliches leiſtete, wußte ich damals nicht; aber ich wurde in dem Ent⸗ ſchluſſe beſtärkt, etwas Entſcheidendes zu wagen.“

Graf Fedor ſchwieg einen Moment, um ſeine er⸗ loſchene Cigarre von türkiſchem Tabak wieder in Brand zu ſetzen. Ich kann nicht verſchweigen, daß ſeine Dar⸗ ſtellung, ſo ſehr ich das Erzählertalent des Herrn an⸗ fangs anerkennen mußte, etwas verworren zu werden begann und daß ich mich zu mehreren Zwiſchenfragen veranlaßt fühlte. Indeß wollte ich noch etwas warten; namentlich war ich auf die Entſcheidung des nächſten Tages geſpannt.

Nach einer kleinen Weile fuhr Graf Fedor fort: