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zeigte ſie mir Spott, bald Geduld und Demuth und leidende Ergebung in ihr Schickſal. Dieſe Reſignation konnte ich vollends nicht ertragen; obwohl ich ſie heim⸗ lich noch liebte, verdarb meine unglückliche Gemüths⸗ art doch Alles wieder. O Du haſt mich einſt heiter und übermüthig gekannt, aber damit war es vorbei, ſeitdem ich ſah, daß ſie mein Opfer war. Endlich gab ich ihr die Freiheit wieder, die volle Freiheit. Ich ver⸗ langte, ſie ſolle mich als geſtorben anſehen, und ſetzte ihr dies Gut zu ihrem Unterhalt aus. So haben wir uns getrennt und ſie machte auch keinen Verſuch, mich zurückzuhalten. Ich bin ſeitdem in Indien geweſen und in Afrika, bis ich auf dem Berg Karmel ein Aſyl für meine Unruhe fand. Ach, dort in fernen Landen erſt habe ich fühlen gelernt, wie wahnſinnig ich dies wunderbare Geſchöpf immer noch liebte, aber mein Stolz hielt mich ab, umzukehren, wohl auch der Zorn, denn ich hörte, daß ſie ſich nun ganz nach— burg ge⸗ wendet habe, und ich wußte, daß Du dort lebteſt. Nun war Alles entſchieden und jeder Gedanke an Rückkehr war verbannt. Jetzt bin ich nur gekommen, um die Verwaltung und einiges Andere definitiv zu ordnen, dann gehe ich wieder fort. Mag ſie weiter leben in ihren Sünden, ich habe ihr keinen Vorwurf zu machen.“ Er ſchwieg und auch ich, von dem Eindruck


