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ſtörender Schattenzwiſchen uns, dendie Ferne, die Phan⸗ taſie und Pietät nur verklären konnten. Ich fühlte, daß ich einen Fehler begangen und nichts von Dir hätte erzählen dürfen. Sie fragte ſeitdem wohl alle Tage nach Dir und trieb mich an, mich wieder in Verbindung mit Dir zu ſetzen. Die natürliche Folge waren zuerſt Verſtimmungen, nachher leidenſchaftliche Auftritte. Sie war vom Glücke veredelt worden, aber nicht ich. Nachdem wir die Bühne verlaſſen, führte ich ſie bei meiner Familie und meinen Standesgenoſſen ein. Zuerſt ging Alles gut, aber es hatte keine Dauer. Die frühere Schauſpielerin erregte Anſtoß, man fand ihr Benehmen excentriſch und auffallend, und je mehr ſie ſich Mühe gab, durch geiſtreiche Laune und ſprudeln⸗ den Humor die Herzen zu gewinnen, deſto mehr kam ſie in den Ruf einer leichtfertigen Perſon; ſie konnte eben den richtigen Ton nicht treffen, wie ihn meine ſteifleinenen, verroſteten Verwandten liebten und als Zeichen der Ehrbarkeit forderten. Es konnte nicht aus⸗ bleiben, daß ſie Demüthigungen erlebte, die mich mit demüthigten. In ſolchen Stunden der Verſtimmung verſuchte ich Zurechtweiſungen, aber ich mißhandelte ſie damit moraliſch. Und flüchtete ſie dann zu Deinem Andenken, ſo ward'ich vollends raſend. Seit jenen Erfahrungen behandelte ſie mich ſichtlich kälter, bald


