Teil eines Werkes 
2. Bd. (1871)
Entstehung
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und ich verdiene dies hohe Glück allerdings nicht durch irgendwelche Vorzüge der Geburt oder außergewöhn⸗ liche Thaten, aber eines Verdienſtes darf ich mich wohl rühmen: in allen Leidensjahren und Lebensprüfungen ungebeugten Muth behalten zu haben und ein ehrlicher Menſch geblieben zu ſein.

Ein ehrlicher Menſch jawohl, ſo nennt ſich jeder miſerable Schelm heut'.

Ich kannte mich ſelbſt nicht mehr, als dieſer grauhaarige alte Sünder in ſeinem krankhaften Zorn nach immer vergiftetern Waffen griff, aber es gelang mir noch einmal, meine Selbſtbeherrſchung wieder zu erlangen, wenn auch meine Stimme beben mochte, als ich ihm zur Antwort gab:

Sie nehmen ſich die weiteſte Freiheit in Ihren Ausdrücken, Herr von Thymian, aber ich will nicht darauf achten, weil ich Sie nicht für zurechnungsfähig halte. Wie wäre es auch ſonſt möglich, daß Sie ſich unterſtehen, mich ohne allen Grund, ohne alles Maß auf das ehrenrührigſte zu beſchimpfen, ohne nur zu füh⸗ len, was auf Ihrem Gewiſſen laſtet, wenn Sie näm⸗ lich ein ſolches haben.

Da aber fuhr der alte Herr in die Höhe und ſchritt auf mich los. Seine ſchnarrende, heiſere Stimme

hatte einen ſonoren, donnernden Ton angenommen. Groſſe, Der neue Abälard. II. 2