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von Stolz und Glück, und Sie können doch unmög⸗ lich ſo beſchränkt ſein, daß Sie die Rechnung nicht durchſchauen ſollten.“
„Ja, theure Freundin“, rief ich,„ich bin ſo be⸗ ſchränkt, ich bin vernagelt, ich bin dumm, weil ich ver⸗ liebt bin; aber beruhigen Sie ſich, nie in meinem Leben wird das geſchehen. Das konnten Sie wiſſen, wenn Sie je geglaubt haben, mich zu kennen!“
Ich ſaß noch eine Weile wie gelähmt oder erſtarrt von dieſer Enthüllung; jetzt freilich gewann Vieles Be⸗ deutung und Zuſammenhang, was mir vorher räthſel⸗ haft erſcheinen wollte. Als ich aufſah, ſtand Frau Coraly neben mir und reichte mir ihre Hand.
„Gut denn, ich glaube Ihnen“, ſagte ſie huldvoll. „Ich habe Ihnen wirklich Unrecht gethan— doch nein“, und dabei zog ſie plötzlich die Hand zurück,„Sie ver⸗ dienen meine Verzeihung doch nicht. Sie haben zu viel auf Ihrem Gewiſſen. Sie haben für Gretchen nicht gehandelt!“
„Für Gretchen nicht gehandelt— was meinen Sie damit wieder? Wo iſt ſie jetzt?“
„Gretchen iſt geſtern mit ihrem Vater zurückge⸗ kommen“, fuhr ſie fort,„aber das gute Kind iſt krank und in hohem Grade leidend.“
„Gretchen iſt hier!“ Und ich ſprang auf und wäre


