Teil eines Werkes 
1. Bd. (1871)
Entstehung
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theuerſte Freundin? fragte ich und ſuchte ihre Hand zu ergreifen.

Sie aber entzog ſie mir mit ſteigendem Unwillen. Nennen Sie mich nicht ſo! rief ſie.Ich bin Ihre Feindin!

Die Sache wurde mir immer dunkler.Sie meine Feindin, Frau Coraly? O ſcherzen Sie doch nicht ſo grauſam! Sie werden doch nicht jenes alberne giftige Gerücht glauben, wovon ich heute erſt erfuhr? Sie wiſſen, daß Gretchen und ich uns nichts vorzuwerfen haben. Wer in aller Welt kann nur eine ſolche Schänd⸗ lichkeit erſinnen!

O davon iſt hier gar nicht die Rede! rief ſie eifrig.Thun Sie nur nicht ſo tugendhaft und ſo böſe gegen die Verleumder. Manchmal kann auch ein leeres Gerücht willkommen ſein, weil es eine Art von Entſchuldigung bietet, wenn man ſich andere Ziele ge⸗ ſteckt hat!

Was in aller Welt wollen Sie damit ſagen, Frau von Ribbeck?

Frau Coraly betrachtete mich eine Weile mißtrauiſch, dann lächelte ſie mit einer gewiſſen verächtlichen Suffi⸗ ſance ich finde kein deutſches Wort dafür.Es iſt ja auch ſo natürlich, ſagte ſie,daß es ſo kommen

mußte. Die Männer ſind ſich darin alle gleich. Wenn 12*