Es war zwar eine ungewöhnliche Stunde für den Beſuch, aber ich war entſchloſſen, ſie wecken zu laſſen, wenn ſie etwa ſchon zur Ruhe gegangen. Glücklicher⸗ weiſe war in ihrem Zimmer noch Licht. Ich läutete an der Hausthür; die Magd, welche öffnete, ſchob ich beiſeite und ſtürzte ſofort ohne weitere Meldung in den Salon.
Frau Coraly ſaß noch beim Thee und war eben damit beſchäftigt, ſich ihres Schmuckes zu entledigen. Bei meinem ſtürmiſchen Eintritt fuhr ſie erſchreckt em⸗ por, und ihre Hand zuckte nach der Klingelſchnur, als ſie ſagte:
„Sie, Herr Collaborator? Das geht zu weit! Wenn Sie mein Hausrecht nicht achten, ſo muß ich mich von meinen Dienſtleuten ſchützen laſſen.“
Ich fiel ihr in die Hand und ſchloß ſofort auch die noch offenſtehende Thür.
„Ich beſchwöre Sie nur um eine Minute Gehör, gnädige Frau; hier müſſen unſelige Mißverſtändniſſe ſein, ein Knäuel von Verwirrung, Entſtellung und Ver⸗ leumdungen!“
„Verleumdungen? Ich wüßte nicht“, ſagte ſie faſt heftig.„Ich habe ja mit eigenen Augen geſehen, und Sie wagen es noch zu ſich vertheidigen!“
„Aber was in aller Welt haben Sie denn geſehen,


