ten des jungen Mädchens, der Demoiſelle Marianne Häberlin, lagen dabei.
Wie oft hatte ich mich an der feinen, zierlichen Handſchrift erbaut und noch mehr an den warmen, muthigen, tiefen Herzen; denn das waren ſie beide voll unzerſtörbaren Gottvertrauens und treuer, ehrlicher Fröm⸗ migkeit, wie ſie heutzutage altmodiſch geworden und überhaupt nicht mehr vorkommt unter den Leuten.
Nun, ihnen hat der einfältige Glaube nicht ge⸗ logen, ſie waren glücklich geworden nach jahrelangen ſchweren Unglücksſchlägen; ſie waren auch uralt ge⸗ worden, nachdem ſie ihre zahlreichen Söhne und Töch⸗ ter glücklich verſorgt ſahen. Dann kam die zweite Generation, die weit über alle Welt verſtreut war, und wieder dreißig Jahre ſpäter war ich allein zu⸗ rückgeblieben, nachdem alle andern verſchollen oder verdorben, mit Ehren gelebt hatten und mit Ehren be⸗ graben waren.
Selten hatte ich meine Einſamkeit ſo drückend empfunden als dieſen Maiſonntag. Noch im letzten Jahre hatte mein Grohmütterchen, die mich aufgezogen, mir den Haushalt geführt und meine Sonntage mit⸗ gefeiert— zu Hauſe am alten Klavier oder draußen am Sperlingsberg unter den hohen Kaſtanien, wo ich ſie ſpazieren führte in der lieben Gottesſonne.


