Teil eines Werkes 
1. Bd. (1871)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Ueberhaupt die Winterſonntage ich weiß nicht, wie andere Leute es halten, aber ich pflege in der Regel dann ruhig zu Hauſe zu bleiben im Schlafrock und in den Hausſchuhen den ganzen Tag über. Im Ofen praſſelt ein mächtiges Feuer, alte Lieder werden vorgenommen und wieder durchgeſpielt, alte Briefe vorgeſucht und zum zehnten Mal durchleſen. Da ſteigen Erinnerungen herauf an dieſen und jenen. Man ſieht Lebensbilder aufgerollt und hat ſeine Erbauung daran, denn man lernt immer mehr an fremdem Ge ſchick als am eigenen; und wenn ſo mancher Brave trotz aller Hinderniſſe mit zäher Ausdauer zuletzt doch noch ein glückliches Lebensziel erreichte, ſo freuen wir uns, daß es noch Gerechtigkeit und Ausgleichungen gibt in der großen Weltordnung, und umgekehrt: wenn ſo Mancher zu Grunde ging, der im reichſten Maße verdiente, glücklich zu ſein, dann hat man wenigſtens Urſache, Gott zu danken, daß man durch ſo viel Fährlichkeiten und Klippen immer noch mit einem blauen Auge davongekommen.

So hatte ich auch an jenem Sonntage ein Bündel alter Briefe hervorgeſucht, die einſt mein Großvater an die Großmutter geſchrieben, zu einer Zeit, als ſich beide noch ziemlich fern ſtanden und ſchwere Bedräng⸗ niſſe des Vaterland heimſuchten. Auch die Antwor⸗