Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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Sſchluß.

Des Lebens Pruͤfungen wie wenig Liebende beſtehen ſie ſiegreich! Ein Paar, welches ſich ewige Treue geſchworen, wie viele Feinde ihres meiſt vor⸗ eiligen Bundes haben ſie zu bekämpfen! Zuerſt das Schickſal mit ſeinem unerbittlichen Walten, den grau⸗ ſamſten Wechſel der Gluͤcksumſtände, welche oft das beſte Herz verbittern, das weichſte Gemuͤth abhaͤrten, die zaͤrtlichſte Liebe in gramvolle Gleichgiltigkeit ver⸗ wandeln. Wehe dem ſchwachmuͤthigen Paare, welches die Armuth auf die Probe ſtellt! Der Man⸗ gel iſt der Todfeind aller Zaͤrtlichkeit und beide ver⸗ bundene Herzen muͤſſen eine faſt uͤbermenſchliche Kraft der Liebe in ſich haben, um ihn zu uͤberwinden. Wie ſelten aber findet ſich ſolche Kraft im menſchlichen Herzen, welches meiſtens unter harten Schickſalsſchlaͤgen zerbricht, um nie wieder ein Ganzes zu werden. Das ungluͤck zerſtoͤrt die Phantaſie, die holde Pflegerin liebevoller Gedanken, es ſtumpft die Nerven ab, deren Lebendigkeit die Gefuͤhle wach haͤlt, es verloͤſcht das Feuer des Blutes, welches immer neues Leben in das Herz ſtroͤmen laͤßt, kurz, es toͤdtet nur zu haͤufig in ſchwachen Naturen den beſſeren Theil. Aber nicht nur das Ungluͤck iſt ein Feind der Liebe und Treue, die eigenen Fehler und Schwaͤchen verloͤſchen nicht ſelten am geſchwindeſten die heiligſten Flammen des Herzens.

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