Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
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maͤnnlichen Geſchlechtstreue verurtheilt wird, wie eine verderbliche Einpflanzung firer Ideen in das Gemuͤth des Weibes ſein ganzes Leben vergiftet und allmaͤlig die edelſten Herzen verdirbt, den Familienfrieden zer⸗ ſtoͤrt und den Lebenskelch beider Geſchlechter uͤber und uͤber mit Bitterkeit erfullt. Dieſe exaltirte ſchwaͤrme⸗ riſche Vorſtellung von einer unnatuͤrlichen und un⸗ moͤglichen Sinnenliebe ohne Abſchweifungen und ohne Ende dieſer Glaube an eine Pflicht, wenn ſie todt iſt in Bezug auf das legitime Object, oder wenn ſie relativ erſchwacht, ſie vollends in Bezug auf die uͤbrige Welt abzutoͤdten wie viele Tau⸗ ſend Ungluͤcklicher macht ſie, welche, in natuͤrlicheren Begriffen erzogen, gluͤcklich haͤtten werden koͤnnen! Welcher ſelbſtquaͤleriſche Romantismus wird dadurch erzeugt, welcher gerade die Lebensgeſchichte der leben⸗ digſten und begabteſten Natur zu einem Romane macht, worin das menſchliche Herz durch die raffinirteſten Seelenfoltern langſam getoͤdtet wird! Wie vieler See⸗ lenadel, wie viel Tugend, wie viele der edelſten Ge⸗ fuͤhle werden oft durch dieſe ſchrecklichen Leiden ver⸗ nichtet, welchen beide Geſchlechter durch eine Taͤuſchung einen gewoͤhnlichen Aberglauben unterwyrfen ſind! Dieſes eingebildete Ungluͤck der ſinnlichen Untreue, wie viele Millionen Opfer macht es, welche es oft ein ganzes Leben furchtbar buͤßen, was ein Augenblick regelmaͤßigen Naturlebens verſchuldet.

Das iſt die Erbſuͤnde der zwei letzten Jahr⸗